Google bietet demnächst eine automatische Datenlöschung an – Ein Selbstversuch

Ein Selbstversuch mit Google
Ein Selbstversuch mit Google
MDR Aktuell, 03.05.19

Google lässt sich in die Daten schauen und bietet jetzt sogar eine automatische Löschung der gespeicherten Daten an. Was genau dahinter steckt und wie das geht: Für MDR Aktuell habe ich mich bei Google selbst umgehört und einen Selbstversuch gestartet.

Das, was da derzeit startet, wird in den nächsten Tagen weltweit allen Google-Nutzern zur Verfügung stehen. Es betrifft allerdings nur Nutzer, die sich auch bei Google angemeldet haben. Doch das sind automatisch alle, die ein Handy nutzen, welches mit dem Google -Betriebssystem Android  arbeitet. Und das ist bei den meisten Smartphones der Fall. Hannah Samland, Pressesprecherin von Google Deutschland, erklärt mir, was neu ist. Schon bisher hätte jeder seine Daten kontrollieren und löschen können, doch jetzt solle alles viel praktischer werden

Das heißt, dass der Nutzer jetzt einstellen kann, dass die Daten automatisch nach drei oder 18 Monaten gelöscht werden. Und das dann auch fortlaufend, also immer wieder alle drei Monate.

Hannah Samland , Google Deutschland

Das macht mich neugierig. Was weiß Google denn so über mich? Dafür schaue ich im Internet unter http://myaccount.google.com nach. Dort klicke ich auf „Daten und Personalisierung“, scrolle bis nach unten und klicke hier auf „Meine Aktivitäten“. Und jetzt, das ist echt spannend, sehe ich alles, wobei mich Google beobachtet hat. Am 30. April gibt es beispielsweise 128 Einträge. Und dabei war ich eigentlich fast den ganzen Tag offline – dachte ich.  Es gibt recht einfache Einträge, so zum Beispiel den ersten um 05:01 Uhr: „Samsung Clock“. Klar, das war mein Wecker auf dem Handy. Und das läuft mit dem Google-Betriebssystem. Deshalb weiß der US-Konzern, wann ich aufgestanden bin. Zumindest, wann es mein Wecker mir nahe legte. Und dann ist da die Liste aller Internetseiten, die ich besuchte. Frankfurter Allgemeine Zeitung, Spiegel, GMail und mein Kalender. Natürlich auch der Standortverlauf, aus dem man liest, wann ich wo ich war – Timeline genannt. Die drei  letzten Dienste werden übrigens von Google zur Verfügung gestellt.

Und da, ein Audio. Google hört sogar mit.

… anständig statt. Ok, überzeugt es gibt zwei Welten. Sie schicken dir Grace aus deiner hinterher. Sie verpatzt es und versucht den Fehler auszubügeln ….

Bei Google gespeichertes Audio
Informationen zum gespeicherten Audio
Informationen zum gespeicherten Audio

Oh, das war eindeutig nicht ich. Aber mehr erklären mir die gesammelten Daten: So wurde das Audio am 30. April um 08:08 Uhr aufgenommen und zwar auf der A 71 auf Höhe von Erfurt. Und wenn ich jetzt noch auf das Zitat klicke, welches auch schriftlich vorliegt, erfahre ich, dass es sich um das Buch „Die Tyrannei des Schmetterlings“ von Frank Schätzing handelt, in dem es pikanter Weise um Künstliche Intelligenz geht. Und alles stimmt: Zu der Zeit saß ich in meinem Auto, war in Thüringen unterwegs und hörte das Hörbuch von Frank Schätzing. Nur: Google hatte ich keinen Befehl gegeben, meine Stimme aufzunehmen. Offenbar hatte das Betriebssystem das

Ok, überzeugt.

Bei Google gespeichertes Audio

aus dem Hörbuch mit dem Startbefehl für den Google Assistenten verwechselt, der eigentlich so  klingen soll:

Ok Google.

Bei Google gespeichertes Audio

Nach dem Warnton hätte ich nun dem Assistenten Aufträge erteilen können, die natürlich auch aufgenommen werden. Wichtig zu wissen, denn so kann Google auch Wortbeiträge von anderen Menschen in meiner Nähe unbeabsichtigt aufnehmen, auch wenn es diesem Fall nur eine CD war.

Übrigens: Am 26. April hatte ich 320 Einträge mit denen Google meinen Tagesablauf protokollierte….

Klar, dass ich am Ende des Selbstversuches auch die Löschfunktion ausprobierte – allerdings läuft die automatische bei mir noch nicht. Aber manuell löschte ich so einiges.

Author: Michael Voß