Bahnanschluss Chemnitz an das Fernverkehrsnetz stößt auf Probleme – Leipzigs City-Tunnel hat keine freien Kapazitäten mehr

InterCity steht im unterirdischen S-Bahnbereich des Leipziger Hauptbahnhofes auf Gleis 1.
InterCity steht im unterirdischen S-Bahnbereich des Leipziger Hauptbahnhofes auf Gleis 1.
Der Bundesverkehrswegeplan sieht eine Elektrifizierung der Bahnstrecke zwischen Leipzig und Chemnitz vor und ermöglicht damit für die drittgrößte Stadt Sachsen den Anschluss an das Fernverkehrsnetz. Doch nicht alles ist so einfach, habe ich für MDR Aktuell herausgefunden.

Detlef Müller ist nicht nur SPD-Bundestagsabgeordneter aus Chemnitz, sondern auch Lokführer – zumindest bist er in die Politik ging. Er weiß wovon er spricht und worüber er sich freut.

Also zunächst einmal freue ich mich unwahrscheinlich, dass es uns gelungen ist, Chemnitz – Leipzig überhaupt in den Bundesverkehrswegeplan zu bringen. Es war ja am Anfang überhaupt nicht drin. Gar nicht aufgetaucht. Null. Und es ist uns sozusagen gelungen mit der Bürgerschaft, mit allen vor Ort, der IHK, der Wirtschaft, das Projekt voranzubringen, soweit, dass es jetzt im vordringlichen Bedarf ist.Detlef Müller, SPD-Bundestagsabgeordneter aus Chemnitz

„Vordringlicher Bedarf“ heißt, dass man jetzt mit Geldern für eine Prüfung des Projektes rechnen kann. Doch es heißt nicht, dass nun alle Probleme gelöst sind, wie Carsten Schulze-Griesbach vom Fahrgastverband pro Bahn erzählt. Im Gegenteil, meint er…

Denn das, was da derzeit geplant ist, ist eine wahnsinnige Fahrzeitverlängerung. Die jetzigen Züge brauchen eine knappe Stunde und der Weg über Borna wird geschätzt mit etwa 70 bis 80 Minuten Fahrtzeit.Carsten Schulze-Griesbach , Pro Bahn

Und das liege daran, dass der Bundesverkehrswegeplan lediglich eine Elektrifizierung zwischen Chemnitz und Geithain vorsehe. Von dort müssten die Züge dann auf die bereits elektrifizierte S-Bahnstrecke ausweichen, die über Borna zum Leipziger Hauptbahnhof führt. Doch genau die S-Bahnzüge seien ein Problem, sagt Carsten Schulze-Griesbach:

Die haben natürlich Haltezeiten dazwischen, an vielen Stationen, so dass eine mögliche Höchstgeschwindigkeit gar nicht ausgefahren werden könnte. Das heißt, der Schnellzug wird im Schritttempo hinter irgendeiner S-Bahn herzockeln.Carsten Schulze-Griesbach , Pro Bahn
S-Bahn im City-Tunnel Leipzig
S-Bahn im City-Tunnel Leipzig
Noch problematischer wird es in der Leipziger Innenstadt. Die Fernzüge aus Chemnitz müssten durch den City-Tunnel rollen und dort fahren bereits jetzt sieben S-Bahnlinien tagsüber im Fünf-Minuten-Takt. Der Eisenbahner und SPD-Bundestagsabgeordnete Detlef Müller mahnt deshalb an:

Der City-Tunnel Leipzig war von Haus aus geplant und auch konzipiert, mit einem Mischbetrieb zwischen S-Bahn, Regionalexpress und Fernverkehr. Und so ist er auch finanziert worden. Es ist ja kein reiner Nahverkehrstunnel, der mit Mitteln des Freistaates Sachsen finanziert wurde, sondern da sind auch europäische Fördermittel reingeflossen. Detlef Müller, SPD-Bundestagsabgeordneter aus Chemnitz

Also müsste der S-Bahnverkehr reduziert werden. Auch die Bahn macht sich bereits Gedanken. In einer E-Mail an MDR Aktuell heißt es:

Die innerstädtische Tunnelstrecke hat durch die dichte Belegung mit Zügen der S-Bahn Mitteldeutschland nur noch geringe Trassenkapazitäten. Bestandteil der Planung für die Ausbaustrecke Leipzig – Chemnitz wird auch eine eisenbahnwissenschaftliche Untersuchung zur Trassenbelegung im City-Tunnel sein.E-Mail der Deutschen Bahn AG

Der Fahrgastverband pro Bahn sieht eine viel einfachere, aber auch teurere Lösung: Statt über Borna sollten die Züge über Bad Lausick fahren. Dann müsste zwar eine viel längere Strecke elektrifiziert werden, doch sei nur so ein störungsfreier Betrieb und eine kürzere Fahrzeit von einer knappen Stunde von Chemnitz nach Leipzig möglich. Auch das Nadelöhr City-Tunnel würde so umgangen, sagt Carsten Schulze-Griesbach:

Es ist nur sinnvoll, dass ein Fernzug oben im Hauptbahnhof ankommt und den schnellen Weg über Bad Lausick nimmt, was auch Sinn ergibt. Das wäre ein Gewinn für alle.Carsten Schulze-Griesbach , Pro Bahn

Bis diese Züge rollen, werden allerdings noch viele Jahre Planungs- und Bauzeit vergehen.

Eine Reaktion des Zweckverbandes für den Nahverkehrsraum Leipzig gibt es hier. Der ZVNL skizziert auch eine Lösung für das Problem im Citytunnel.

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