Was hat Google vor?

MDR INFO, 17.01.14
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Schon wieder gibt’s was Neues von Google – und schon wieder ist das ein Produkt, bei dem manche skeptisch fragen: Was will Google denn damit schon wieder erreichen, an welche Daten wollen die denn noch ran? Konkret geht’s um intelligente Kontaktlinsen, die Google auf den Markt bringen will, mit denen Diabetiker ihren Blutzuckerspiegel kontrollieren können. Prototypen werden schon in klinischen Studien getestet. Ich sprach darüber mit MDR INFO-Moderator Andreas Herrler.

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

Was ist eigentlich die Vorratdatenspeicherung?

05.01.14 – Eine der ersten Streitigkeiten der neuen Bundesregierung aus Union und SPD ist die Vorratsdatenspeicherung. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hat am Wochenende angekündigt, vorerst keinen eigenen Gesetzesentwurf vorzulegen, um eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes abzuwarten. Kritik dagegen kommt aus dem Innenministerium und aus der Union. Doch was ist die Vorratsdatenspeicherung eigentlich? “Was ist eigentlich die Vorratdatenspeicherung?” weiterlesen

Was ist ein Quantencomputer?

Ein neuer Supercomputer soll offenbar dem Geheimdienst NSA helfen, an Daten zu kommen, die bisher zu gut verschlüsselt sind: Die von geheimen Forschungseinrichtungen und Banken etwa. Der Computer ist Teil eines großen Forschungsprojekts – so berichtet es die “Washington Post” unter Berufung auf Ex-NSA-Mitarbeiter Edward Snowden. Und es ist kein gewöhnlicher Rechner – sondern ein Quantencomputer.
Bisher gibt es offiziell so einen Computer noch nicht, nur erste Versuche in Europa und den USA mit relativ geringem Erfolg…

Bei MDR INFO beantwortete ich am Mittag unter anderem die Frage: Was genau ist ein Quantencomputer?

Microsoft lässt illegales Computernetzwerk auffliegen

MDR INFO, 06.12.13
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Microsoft hat das – nach eigenen Angaben weltgrößte – kriminelle Computernetzwerk auffliegen lassen. Der Name: Zero Access.

Digital Crimes Unit , das ist die eigene Einheit von Microsoft, die im Internet nach Verbrechen sucht. Genau diese Firmendetektive sind zusammen mit der europäischen Polizeibehörde Europol und der US-Bundespolizei FBI dem Netzwerk auf die Schliche gekommen.

Anklageschrift gegen die mutmaßlichen Täter (Foto: Michael Voß)

Weltweit sind zwei Millionen Privat- und Firmen-Computer betroffen. Sie wurden durch ein Schadprogramm gehackt und unter Fremdkontrolle gebracht. Botnetzt heißt soetwas im Fachjargon.


Einer der Vorwürfe: Diese Rechner klickten ferngesteuert bestimmte Werbung im Internet an. Jeder Klick brachten den Firmen, die diese Werbung verkauft haben, Einnahmen. Auftraggeber für diese Klicks waren natürlich genau diese Firmen, die daran illegal verdienten. Getäuscht wurden dabei die Werbekunden, denen eine gut funktionierende digitale Anzeigenkampagne vorgegaukelt wurde. Thomas Baumgärtner von Microsoft zu den Schäden:

Wir gehen mal davon aus, dass das monatlich 1,5 Millionen Dollar gewesen sind. Aber das sind natürlich Hochrechnungen.

Ein Richter in Texas ließ jetzt 18 kritische Internet-Adressen sperren. Zusätzlich wurden in zahlreichen europäischen Staaten Server beschlagnahmt und stillgelegt, darunter zwei in Deutschland, wie Microsoft bestätigt.

In der Anklageschrift gibt es natürlich Vermutungen, dass unter anderem auch mehrere europäische und zwei deutsche Firmen mit beteiligt waren, die Kontrolle über das Botnetz ausgeübt haben.

Die zwei Firmen befinden sich demnach in einem kleinen süddeutschen Ort und in Berlin.

Auf den Servern wird nun nach Informationen über die Drahtzieher gesucht. Sie sollen sich in Russland aufhalten. Durch das Abschalten der Server ist das sogenannte Botnetz jetzt lahmgelegt. Wer trotzdem herausfinden will, ob sein Computer betroffen ist, kann sich auf der Homepage von Microsoft kostenfrei ein entsprechendes Suchprogramm herunterladen.

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

Zweitgrößter europäischer Internetanbieter vergrößert Berliner Rechenzentrum

MDR INFO, 12.11.13
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Auf der Herbsttagung des Bundeskriminalamtes geht es heute um das Thema Cybercrime – Kriminalität und Sicherheit im Internet. Ein Thema, was in Deutschland immer mehr an Bedeutung gewinnt. So beispielsweise in Berlin. Dort sitzt der zweitgrößte europäische Internetanbieter Strato. Ich konnte den aus Datenschutz- und Sicherheitsgründen geheimen Ort besuchen.

Berliner Serverzentrum von Strato (Foto: Strato)

Es hat etwas Konspirative: Das Serverzentrum von  Strato liegt unerkannt mitten in Berlin. Hier sind zigtausende von Internetseite gespeichert. Von außen zeigt sich nichts anderes, als ein altes Industriegebäude, wie es zahlreiche davon gibt. Der Name einer Tarnfirma steht am Türschild. In das Gebäude geht es dann über einen klapprigen alten Lastenfahrstuhl. Doch das Äußere täuscht: Hinter der Fahrstuhltür, die sich nur mit einer Zugangskarte öffnen lässt, verbirgt sich modernste Technik. 55.000 Server stehen hier – sozusagen eines der größten europäischen Rechenzentren.
Ein Dauerrauschen liegt im Raum, denn die Rechner müssen ständig auf 18 bis 22 Grad gekühlt werden, damit sie nicht heiß laufen. Und das ist auch der Grund, für ein Mammutprojekt, erzählt Christian Müller, der Technikvorstand bei Strato:

Wir bauen gerade unser Rechenzentrum in Berlin um, um die Kapazität der Energieversorung zu erweitern. Wir hoffen, dass wir im Lauf des Umbaus 30 Prozent mehr Kühlleistung und mehr Stromzufuhr in das Center einbauen können.

Fünf Jahre sind für diesen Umbau veranschlagt, weil er während des laufenden Betriebes vor sich geht. Platz für weitere Rechner gibt es in dem weitläufigen Gebäude, nur gab es bislang keine ausreichenden Kühlkapazitäten und ausreichende Energiezufuhr.

Strom ist der Lebensnerv des Serverzentrums und damit ein großes Sicherheitsrisiko: Zwei unabhängig Starkstromleitungen führen den Strom von außen zu. Bis hin zu jedem einzelnen Server bleibt es bei den zwei getrennten Stromkreisläufen – sollte einer ausfallen, werden die Computer weiter über den anderen Kreislauf versorgt. Sollte der Strom vollständig ausfallen, gibt es eine eigenen Stromversorgung: Mehrere Dieselaggregate können anspringen. Sie sehen aus wie Schiffsmotoren, haben sogar Handpumpen mit Holzgriffen, um notfalls manuell Diesel in die Motoren zu bekommen.

Wir sind in der Lage momentan 8 Megawatt Leistung selbst zu erzeugen. Wir haben immer scherzhaft gesagt: Im Zweifelsfalle reicht das auch noch, die Umgebung und die Haushalte im Stadtteil mitzuversorgen.

Christian Müller
(Foto: Strato)

Viel gefahrvoller ist für Christian Müller allerdings das Risiko, das Kundendaten abgefischt werden. Zwischen den eigenen Standorten – Berlin  und Karlsruhe – werden die Daten verschlüsselt  hin-  und hergeschickt. Doch…

… irgendwo sind wir mit dem großen Internet verbunden. Irgendwo gehen die Daten aus unserer Kontrolle in das Internet und was danach passiert, entzieht sich oft unserer Kenntnis.

Gerade die modernen Glasfaserkabel seien ein Sicherheitsrisiko:

Diese Glasfaserkabel können durch bestimmte Techniken angezapft werden, ohne dass der Betreiber des Glasfaserkabels es wirklich merkt, speziell, in dem man die so ein bisschen leicht biegt und an den Knickstellen tritt dann etwas von dem Licht auf, das man auffangen kann.

Während Christian Müller dies erklärt, sorgt ein Wachmann dafür, dass kein Besucher unerkannt in den Serverbereich zurückläuft. Auch wenn diese Speicher hier bestens geschützt sind, bleiben die Daten im Internet weiterhin durch Fremdzugriffe gefährdet.

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

Deutschland braucht IT-Experten als Regierungsberater

Es wird Zeit, dass sich die Politik in Deutschland auf den Rat von Datenschutz- und IT-Experten verlässt. Wenn nach der Handy-Spionage wieder Entscheidungen gefällt werden, ohne den nötigen Wissenshintergrund zu haben, offen sogar über “Neuland” zu sprechen und trotzdem den Rat von Experten zu übergehen, dann wird Deutschland ins digitale Abseits gestellt.

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

Internationale Funkausstellung: Roboter putzt Fenster

MDR INFO, 14.09.13

Ein Trend auf der Internationalen Funkausstellung, die in dieser Woche in Berlin zu Ende ging, waren Haushaltsroboter. Und das müssen nicht immer nur Staubsauger sein…

Der Roboter saugt sich an der Scheibe fest, fährt darüber und putzt sie (Foto: M. Voß)

Er war so etwas wie der kleine Foto-Star auf der Funkhausstellung 2013 in Berlin: Winbot 7. Ein Roboter, der Fenster putzt. Ganz unten am Fenster setzt er an, saugt sich an der Scheibe mit einem Vakuum fest und schiebt sich dann selbst vorwärts. Dabei wird das Glas geputzt. Gesteuert wird der Winbot 7 durch einen eingebauten Computer, wie Harald Köhler, Geschäftsführer für Deutschland des Hersteller Ecovacs, erzählt:

Der hat ein festes Reinigungsschema auf dieser Scheibe. Und dieses feste Reinigungsschema passt er an die Scheibendimension an. Nach oben hin gibt es dort keine Begrenzung. Die Scheibe kann ruhig richtig schön groß sein. Ganz kleine Scheiben machen keinen Sinn, weil er sich da nicht drehen und wenden kann.


Doch es gibt auch andere Grenzen, für den knapp 30 mal 30 Zentimeter großen  Roboter. Sobald ein Fenster fertig ist, muss er per Hand auf das nächste Fenster umgesetzt werden. Auch Trennelemente auf dem Fenster stören den durchgängigen Service.

Die Methode, die den Roboter an der Scheibe festhält, ist Vakuum. Das darf nicht unterbrochen werden. Bei größeren Scheiben, die Verstrebungen haben, oder Fugen, die mit Silikon gefüllt sind, kann das Gerät einfach nicht zum Einsatz kommen.

Die Reinigung eines Fensters dauert ungefähr acht Minuten. Zeit genug, zwischendurch etwas anderes im Haushalt zu erledigen. Die Stromversorgung kommt übrigens direkt aus der Steckdose. Das Kabel ist lang genug, um den Roboter auchbei höheren Fenstern weiter zu versorgen. Sollte es einen Stromausfall geben, hält ein Ersatzakku das Vakuum aufrecht und der Roboter fährt auf die niedrigste Stelle des Fensters zurück. Der Winbot 7 ist mit knapp 300 Euro so teuer wie eine viermalige kommerzielle Scheibenreinigung per Hand.

Lange blieben die Deutschen den Robotern im Haushalt gegenüber sehr skeptisch. So werden die Haushaltshelfer auch eher in  Asien hergestellt, wie zum Beispiel bei der Firma Moneaul in Süd-Korea. Dort entstehen Roboter, die nach einem festen Plan Räume, Wohnungen oder Büros rund um die Uhr absaugen. Deutschland-Chef Bernd Hoffmann ist inzwischen mit dem Markt vor Ort zufrieden:

Die Deutschen sind am Anfang immer sehr verhalten, weil die Deutschen sind sehr kritisch gegenüber neuen Produkten eingestellt. Das Qualitätniveau, was in Deutschland erforderlich ist, ist immer sehr hoch, und die Roboter sind mittlerweile so ausgereift, das merken wir hier auch an den Fragen und dem Interesse von dem Publikum, dass die Aktzeptanzschwelle mittlerweise überschritten ist und das dieser Markt eine sehr sehr große Zukunft haben wird.
 

Die Staubsaugerroboter fahren inzwischen auch ganz nach Plan durch die Räume. Viele können den Grundriss abspeichern und danach immer wieder den besten Weg heraussuchen, um überall den Schmutz zu entfernen. Die kleinen Roboter kosten um die 300 Euro.

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

Meine heutige Lieblingsnachricht: Behörden vernichten virenverseuchte Computer

In Mecklenburg-Vorpommern sind 170 Computer vernichtet worden, weil sie durch Viren verseucht waren. Offenbar sind a) Virenschutzprogramme vor Ort nicht bekannt und b) war es den zuständigen Mitarbeitern offenbar auch nicht bewusst, dass man Softwareprobleme durchaus auch anderes lösen kann.

Unter Ziffer 432 des Jahresberichtes 2012 des Landesrechnungshofes Mecklenburg-Vorpommern heißt es wörtlich:

Anfang September 2010 wurde durch das Bildungsministerium ein massiver Virenbefall in den IT-Systemen des IQMV festgestellt. Um eine weitere Ausbreitung der Viren zu verhindern, erfolgte eine Abtrennung des IQMV vom internen Netzwerk des Bildungsministeriums sowie vom Netzwerk der Landesverwaltung. Neben dem Wegfall der IT-gestützten Kommunikation konnte auch der Bildungsserver nicht mehr genutzt werden. Die Arbeitsfähigkeit konnte durch den Einsatz von „dienstlichen Not-PCs“ sowie privaten Geräten nur eingeschränkt aufrecht erhalten werden.

Die Virenbeseitigung erfolgte durch eine Bereinigung aller Server des IQMV sowie einer Neubeschaffung von 170 Arbeitsplatz-PC (APC)145 mit anschließender Rücksicherung der Benutzerdaten. Hierfür stellte das Finanzministerium im Haushaltsvollzug dem Bildungsministerium 20.000 Euro Verstärkungsmittel bereit und willigte in Ausgabeumschichtungen in Höhe von 152.300 Euro ein.

Mich würde interessieren, ob defekte Autos in Mecklenburg-Vorpommern auch gleich verschrottet werden oder in die Werkstatt gehen….

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

Microsofts Deutschland-Chef sieht das Ende des Touchscreens

MDR INFO, 08.03.13
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Noch bis Sonntag läuft in Hannover die weltgrößte Computermesse, die CeBIT. Microsoft ist dort einer der größten Aussteller. Ich sprach mit dem Deutschland-Chef des Unternehmens und interessierte mich dafür, wohin sich die Computerwelt in den nächsten Jahren verändern wird.

Hoch über dem riesigen Erlebnisstand von Microsoft hat der Deutschland-Chef des US-Unternehmes sein Messe-Büro für eine Woche eingerichtet. Kaffee schenkt Christian Illek selbst für seine Besucher ein, dass müsse er doch zuhause auch. Der Manager führt die weltweit zweitgrößte Außenstelle des Unternehmens erst seit September. 2.600 Microsoft-Mitarbeiter arbeiten unter seiner Führung in der Nähe von München.

Illek sieht zwei konkrete Veränderungen auf den Computermarkt zukommen: das Ende der Trennung zwischen privaten und beruflichen Geräten und – das Ende oder Besser die Weiterentwicklung der Touchscreens.

Ich glaube nicht, dass „Touch“ die Endausbaustufe ist, wie man mit Endgeräten umgeht. Ich glaube, Gesten- oder Mimiksteuerung wird etwas sein, mit dem wir uns in den nächsten Jahren auseinandersetzen werden. Stellen Sie sich vor, Sie müssen nicht mehr auf ein Smartphone drauftippen, sondern es reicht nur, wenn man es anzeigt und der Sensor erkennt, welche App ich eigentlich benutzen will. Das heißt, es gibt keine Fingerabdrücke mehr auf dem Smartphone. Sie müssen nicht mehr 30 Mal am Tag das Smartphone sauber machen.


Im Spielemarkt ist Microsoft bereits mit dem Bewegungssensor Cinnect vertreten. Dieser registriert Bewegungen, um sie dann auf virtuelle Personen oder Ereignisse umzusetzen. Doch Chrstian Illek sieht hier ganz andere Möglichkeiten:

Wir haben beispielsweise – ich sag mal – Showcases, wie man das so schön auf Neudeutsch sagt, mit großen Modeherstellern, wo sie sich quasi vor einem Bildschirm aus dem Inventar, was verfügbar ist, anziehen können. Das machen Sie über eine Cinnect. Da können Sie sich eine Krawatte vor dem Bildschirm anziehen, können sich entsprechend eine Anzugsjacke dazu anziehen und können sich einfach virtuell anschauen, wie das aussieht, ohne dass man es anziehen muss.

Für den Deutschland-Chef von Microsoft ist eine weitere Beobachtung wichtig: Die Grenzen zwischen privater und beruflicher Nutzung von Computern und Handys würden immer mehr verschwinden.

Viele von uns haben heute ein Smartphone, dass sie im privaten Umfeld nutzen und gleichzeitig müssen sie mit neuer Technologie im Unternehmensumfeld umgehen. Was wir allerdings sehen, ist, dass das Unternehmensumfeld sich langsamer entwickelt, als das private Umfeld. Man kriegt also im Consumer-Umfeld Innovationen mit, die ich heute im Unternehmen noch nicht sehe.

Doch Illek rechnet damit, dass auch diese letzte Trennlinie schwinden wird. Microsoft habe deshalb bereits mit dem neuen Betriebssystem Windows 8 gehandelt: Die Programme könnten von einem System aus sowohl für berufliche als auch private Bereiche genutzt werden. Wo inhaltliche Trennung, beispielsweise bei den Mailsystemen, nötig sei, könnte dies jeweils eingerichtet werden. Allerdings gebe es noch Vorbehalte bei den Computer-Spezialisten vieler Arbeitgeber.

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de