IFA: Geisterfirmen – wenn Firmennamen die Firma überleben

Telefunken
Wenn Firmen verschwinden, dann bleiben oft noch die Erinnerungen an den Namen. Dresdner Bank – es gibt genau eine Filiale, natürlich in Dresden. Aus Tradition und um die Markenrechte weiter zu behalten. Der Rest heißt so wie der Käufer: Commerzbank. Andere Namen tauchten wieder auf. Einen Traditionsnamen und ein besonderes Geschäftsmodell entdeckte ich auf der Funkausstellung in Berlin.

Es gibt kaum ein Unternehmen, das mit der deutschen Rundfunkgeschichte und mit der Berliner Funkausstellung so eng verbunden ist, wie Telefunken. Die drahtlose Nachrichtentechnik führt auf Befehl von Kaiser Wilhelm II. 1903 zur Gründung der Gesellschaft für drahtlose Telegraphie. Im Telegraphenverkehr wird dann nur noch in der Kurzform von „Telefunken“ geschrieben. Der Firmenname ist geboren. Elektronenröhren, Radioapparate, Radare und Fernseher entstehen in den Fabriken der Berliner Firma. 1928 ist das Unternehmen bei der 5. Großen Deutschen Funkausstellung dabei. Später entsteht der erste deutsche Einheitsfernseher. Dann Kriegsproduktionen . In den 60er Jahren folgt die Fusion mit AEG. Die wiederum werden durch Daimler geschluckt. Viele Jahre blieben die Namenrechte ungenutzt in einer Schublade, bis sie dann weiterverkauft werden. Seitdem gibt es eine neue Firma – statt einer fünfstelligen Anzahl von Mitarbeitern ist es nur noch eine zweistellige Anzahl. Und dahinter steht eine völlig neue Geschäftsidee, wie der aktuelle Chef, Christian Mayer, erklärt:

In der Vergangenheit war Telefunken ein Hersteller. Das ist heute anders. Seit 2007, 2008 haben wir ein globales Markenlizenzgeschäft auf Basis der sehr hohen Bekanntheit und des Markenimages aufgebaut in den Bereichen TV, Audio Telekommunikation, Haushaltsgräte.

Telefunken (Foto: Michael Voß)
Telefunken (Foto: Michael Voß)
Man vermietet sozusagen den Namen Telefunken an Hersteller, die nicht so bekannt sind, und verdient an den Lizenzgebühren. Trotzdem werde die Qualität streng überwacht, sagt Christian Mayer:

Also grundsätzlich steht Telefunken seit 113 Jahren für Qualität, Innovation, deutsche Ingenieurskunst.

Dieses Image soll erhalten bleiben. Deshalb gibt es strenge Auflagen:

Wir müssen sicherstellen, dass die Lizenznehmer, die wir in unserem Portfolio haben, tatsächlich in der Tradition unserer Markenwerte Produkte entwickeln und vertreiben.

Christian Mayer, Telefunken (Foto: Michael Voß)
Christian Mayer, Telefunken (Foto: Michael Voß)
Diese Firmen sind alle eigenständig. Telefunken kann keinen konkreten Druck auf sie ausüben, erklärt Christian Mayer.

Wir haben im Augenblick 40 Lizenznehmer weltweit. Wir sind in aktuell knapp 100 Ländern.

Auf der diesjährigen IFA zeigt Telefunken erstmals kleine Haushaltsgeräte. Sie erweitern das Sortiment, nachdem vor einem Jahr, bereits die großen Geräte, wie Kühlschränke, hinzugekommen waren.