#rC3: Der Netzpolitische Wetterbericht von Markus Beckedahl

Markus Beckedahl auf meinem Arbeitsplatz im Ü-Wagen
ARD-Hörfunk

Es gibt so einige Traditionen auf dem jährlichen Hackertreffen – und die bleiben selbst in der digitalen Version rC3 erhalten. Eine davon ist der Netzpolitische Wetterbericht von Markus Beckedahl – eine Mischung aus Kommentar, Jahresrückblick, Fachwissen, Büttenrede und launiger Kritik. Darüber berichtete ich für die Hörfunksender der ARD.

Wir kommen zum Netzpolitischen Wetterbericht in der 2020er-Wir-kommen-um-uns-zu-beschweren-Variante.

Markus Beckedahl, Netzpolitik.org

Gekommen ist er, um sich zu beschweren – auch auf diesem erstmals nur online ausgetragenen Hackerkongress. Markus Beckedahl macht Politik mit der Politik und gegen die Politik. Er ist der Netzpolitiker, wie die von ihm gegründete Organisation auch heißt, für die er arbeitet.

Die Kritik ist wie immer deutlich. Sein Topthema für 2020: EU-Minister wollen Hintertüren in der verschlüsselten Kommunikation haben. Und darüber werde jetzt diskutiert. Für nicht Techniker: Das heißt, dass beispielsweise bei einem Chat nur abgehört werden kann, wenn man direkt auf eines der beiden beteiligten Smartphones zugreift. Auf dem Weg dazwischen kann kein Kabel oder kein Funk abgehört werden. Eigentlich. Doch nun soll eine Hintertür helfen, um bei schweren Straftaten doch reinzukommen. Deshalb steht für Markus Beckedahl fest:

Das Problem an dieser Debatte ist, entweder haben wir vertrauenswürdige verschlüsselte Kommunikation, oder wir haben Sie nicht. Denn wer glaubt denn tatsächlich, dass solche Hintertüren rechtsstaatlich kontrolliert genutzt werden können?

Markus Beckedahl, Netzpolitik.org

Verschlüsselung ohne Verschlüsselung sei eben keine Verschlüsselung – soll das wohl heißen. Die Kritik am Staat geht gleich weiter.

Staatstrojaner: ein Running-Gag in jedem Netzpolitischen Wetterbericht jedes Jahr.

Markus Beckedahl, Netzpolitik.org

Doch diesmal schlägt es 19 findet Markus Beckedahl:

Staatstrojaner gibt es jetzt für alle. Also, für fast alle. Zumindest schon mal für einen Teil. Die Bundesregierung hat dieses Jahr beschlossen, allen 19 Geheimdiensten eine Lizenz zum Hacken mit Staatstrojanern zu geben. Die Bundespolizei soll es erhalten. Der Zoll soll es erhalten. Und irgendwann ist nur noch die Frage da: Welche Behörde soll eigentlich keinen Staatstrojaner erhalten?

Markus Beckedahl, Netzpolitik.org

Vom Staatstrojaner ist es nicht weit zum Pferd… und so darf diese Geschichte zur Geschwindigkeit der Internetanbindungen in Deutschland einfach nicht fehlen.

2020 war aber auch ein gutes Jahr für gute Nachrichten. Wir haben immer noch traditionelle Transportmittel. Pferd schlägt Internet. Zumindest, wenn man im Sauerland 4 Gigabyte Daten über 10 Kilometer in eine dort entfernte Druckerei schicken möchte. Das fährt brauchte eine Stunde, die Internetleitung braucht über drei Stunden.

Markus Beckedahl, Netzpolitik.org

Deutschland sei noch weit weg vom schnellen Internet. Und wenig später passiert es dann, was auf dem Hackerkongress dem Netzpolitiker Markus Beckedahl wohl noch nie passierte: Der Stream bricht zusammen und der Netzpolitische Wetterbericht endete viel schneller als gedacht – nur als Video ist er jetzt auf der Seite des Hackerkongresses rC3 nachzusehen.

Author: Michael Voß