Google öffnet sein digitales Kulturinstitut für klassische Orchester

Internet und klassische Musik, das verbinden die wenigsten miteinander. Google und Kultur noch weniger. Doch zwischen allem gibt es eine Verbindung. Dazu startet jetzt ein Projekt. Ich war mit dabei – und zwar bei den Berliner Philharmonikern.

Beethovens 9. Sinfonie – die Berliner Philharmoniker in Aktion, doch nicht etwa live im Konzertsaal, sondern im digitalen Kulturinstitut von Google. Hier werden seit 2011 inzwischen 900 Museen, Stiftungen, Archive und Weltwunder im Internet präsentiert. Nun startet Google auch mit der darstellenden Kultur. Die Berliner Philharmoniker gehören zu den ersten, die dabei sind. Zu sehen ist das Orchester in einem 360-Grad-Video, beim dem der Nutzer selbst die Perspektive und den Blickwinkel auswählt. Am besten geht das mit einem Handy oder Tablet, dann bewegt sich das Bild genauso, wie man das Gerät bewegt. Doch es gibt noch mehr zu erleben, wie Amit Sood, Direktor des Google-Kulturinstituts, begeistert erzählt:

Es gibt wundervolle historische Geschichten über die unterschiedlichen Dirigenten und ihre Einflüsse. Und wir zeigen das älteste Foto des Orchesters aus dem Jahre 1881 oder 1882. Wir haben auch eine wunderbare Geschichte über die Architektur des Gebäudes. Hier saß das Orchester weltweit erstmals in der Mitte, während das Publikum außen herum Platz nimmt.

Viele weitere Geschichten stellen das Orchester und seine Menschen vor und hinter den Kulissen dar. All das wird in einzelnen Geschichten spannend erzählt.

Das Orchester, das hier Maßstäbe setzt, spielt in einem Konzertsaal, der dafür geschaffen ist. Kommen Sie herein und steigen sie mit Sir Simon Rattle auf die Bühne.

Der Solo-Cellist und Medienvorstand der Berliner Philharmoniker, Olaf Maninger, ist begeistert. Doch wird das Google-Angebot nicht auch eine kostenlose Konkurrenz für die eigenen Konzerte, mit denen Geld verdient wird?

Nein, das ist additiv. Also, die Zuhörer bleiben ja. Wir haben eine Auslastung bei allen unseren Tournee-Konzerten von 100 Prozent. Wir sind immer ausverkauft, so dass die einzige Möglichkeit, greifbarer und erlebbarer zu werden natürlich eine Verbreitung ist, die über Medien stattfindet.

Doch was will Google mit seinem Institut erreichen? Amit Sood kann dazu etwas ganz Persönliches beisteuern.

Lassen Sie uns meine Heimat nehmen. Wenn ein Kind in Bombay sitzt, das noch nie solch eine Vorstellung gesehen hat, kann es das jetzt erleben. Das ist etwas, was vorher nicht möglich war.

Google will übrigens noch mehr Orchester mit Weltniveau für sein Projekt gewinnen. Amit Sood:

Wir haben bislang weltweit 60 Institutionen, die mit uns arbeiten. Unsere Pläne sind klar: Bitte kommen Sie zu uns und sprechen mit uns. Und wenn wir zusammenarbeiten können, würde uns das freuen.

Author: Michael Voß