Google – das digitale Böse?

27.11.14 – Das EU-Parlament macht sich für eine Aufspaltung von Internetkonzernen wie Google stark. Die Mehrheit der Abgeordneten stimmte am Mittag dafür, das Suchmaschinengeschäft von anderen Unternehmensbereichen abzutrennen. Auch wenn Google namentlich nicht erwähnt wird: Faktisch ist das die Forderung nach einer Zerschlagung des Konzerns. Ich habe das für MDR INFO kommentiert.

Google, das ist das digitale Böse. Google, das ist das datensammelnde Ungeheuer im Internet. Könnte man alles meinen, wenn man hört, was über den Konzern verbreitet wird. Doch die Realität sieht so aus: Nach unabhängigen Untersuchungen werden in Deutschland über 91 Prozent aller Suchanfagen im Internet über Google gestellt. Bei den europäischen Nachbarn sieht es ähnlich aus.

Ich denke: Google erschließt jedem jederzeit kostenlos ein weltweites Wissen im Internet.

Doch Google hat mächtige Gegner: Die Zeitungsverleger sind gegen Google, weil das Unternehmen ihre Nachrichten verbreitet und damit Geld verdient. Die Datenschützer sind gegen Google, weil der Konzern Daten sammelt und damit Geld verdient. Die Politiker sind gegen Google, weil sie meinen, dass das für Wählerstimmen sorgt und man sich damit ein besseres Wahlergebnis verdient.

Dabei wäre es wirklich besser, so mancher Politiker hätte vor einem Interview im Internet gegoogelt – Entschuldigung – gesucht, um mit Wissen zu glänzen.

Beispiel heute früh. Der CDU- Abgeordnete Andreas Schwaab ist bei MDR INFO im Interview. Er ist einer der Antragssteller im EU-Parlament, der die Aufspaltung von Google fordert. Dabei schildert er, wie schlimm Google sei: Wer ein Android-fähiges Handy besitze, müsse einen Google-Mail-Account haben, um Apps herunterladen zu können. Da man nicht mehr frei wählen könne, welchen E-Mail-Anbieter man nutze, sei der Markt nicht fair aufgestellt.

Diese Aussage ist absoluter Quatsch. Der Google-Account gilt für alle Google-Produkte: Damit kann man Apps einkaufen. Damit kann man Dokumente speichern. Damit kann man einen Kalender betreiben und damit kann man auch E-Mails verschicken. Muss man aber nicht. Jeder Android-Nutzer kann E-Mails von jedem anderen Anbieter aus verschicken. Und wem das alles trotzdem zu gefährlich ist, der kann auch ein iPhone, ein Windows-Phone oder ein Blackberry als Handy nutzen. Doch auch dort braucht er jeweils einen Account, um den Service zu bekommen. Nur eben nicht von Google.

Was Politiker, wie Herr Schwaab, die die Suchmaschinen abspalten wollten, uns nicht sagen: Google braucht die anderen Teile des Konzerns, um die kostenlose Suchmaschine über Werbung zu finanzieren.

Ist aber eigentlich auch egal, denn das Europa-Parlament kann sowieso nicht über die Aufspaltung eine US-Konzerns wie Google beschließen.

Ich denke, statt solcher Spiegelfechtereien sollten sich die Abgeordneten um Datenschutz kümmern, der auch praktisch funktioniert. Zum Beispiel könnte man Anbieter verbindlich verpflichteten, alle Datenschutzeinstellungen des Telefons quasi auf Null-Weitergabe zu stellen. Dann muss der Nutzer jeden Abgriff von Daten vorher generell oder im Einzelfalle genehmigen. Doch das zu fordern ist wahrscheinlich nicht öffentlichkeitswirksam genug.

Author: Michael Voß

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