Geldautomaten nutzen 13 Jahre altes Betriebssystem

Windows XP wird ab April von Microsoft nicht mehr unterstützt

MDR INFO, 26.01.14
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Am 8. April ist Schluss mit Windows XP. Microsoft stellt die Unterstützung für dieses fast 13 Jahre alte Betriebssystem ein. Doch noch immer laufen weltweit 95 Prozent aller Geldautomaten mit Windows XP. Droht den Geldautomaten in gut zwei Monaten das Chaos?

Die Volksbank in Halle ist stolz auf ihren Drive In-Geldautomaten. Mit dem Auto kann man hier mitten in der Innenstadt vorfahren, Geld abholen und weiterfahren. Doch auch dieser moderne Geldautomat läuft genauso wie die anderen 48 Geldspender der Bank mit dem Betriebssystem Windows XP. Das ist inzwischen fast 13 Jahre alt. Frage an Frank Pilz, Bereichsleiter Betrieb: Muss man nach dem 9. April um sein Geld fürchten?

Diese Angst müssen Sie nicht haben. Aufgrund der Nachfragen von unter anderem auch der Banken hat sich Microsoft bereit erklärt, für Fehler, die Auftreten, den Service für mindestens ein Jahr aufrecht zu halten. Weiterhin sind wir an einem Rechenzentrum angebunden. Es gibt dort eine Sicherheitssoftware, die garantiert, dass es keine Manipulationen auf dem Rechner geben kann.

Microsoft bestätigt diese Einschätzung. Zwar wird Privatpersonen und kleinen Firmen empfohlen, Windows XP gegen ein moderneres Betriebssystem umzutauschen, weil es keine Aktualisierungen mehr gibt. Doch bei Großfirmen – oder in diesem Fall bei Banken – sei die Gefahr eines Missbrauchs nicht so groß. Boris Schneider-Johne kann das genauer erklären, denn er gehört der sogenannten Windows-Gruppe bei Microsoft an.

Ein Geldautomat ist ja kein PC. Da steckt PC-Technologie drin, also, da ist ein Prozessor, vielleicht eine Festplatte. Aber wenn sie einen PC zuhause nutzen, dann benutzen sie ihn ja ganz anders. Sie installieren ihre eigenen Programme, sie surfen damit im Internet, sie haben vielleicht einen Drucker angeschlossen oder eine externe Festplatte oder ihre Digitalkamera. Das sind so alles Dinge, die mögliche Einfallstore wären, für Viren. Das trifft natürlich auf Geldautomaten nicht zu. Das ist eine geschlossene Kiste.

Geschlossen – das kann man fast wörtlich nehmen: Die 49 Geldautomaten der Volksbank Halle haben keinen direkten Kontakt in das Internet. Sie – und wohl auch alle anderen deutschen Geldautomaten – sind in einem extra gebauten Netz zusammengeschlossen. Nur die Knotenpunkte der Betreiber sind dann an das Internet angeschlossen.
In Halle sollen die Geldautomaten bis 2017 auf Windows 7 umgestellt sein. Das ist das Vorgängermodell der derzeit aktuellen Version 8. Warum wird nicht gleich die neueste Version installiert? Frank Pilz von der Volksbank Halle.

Immer, wenn Microsoft neue Betriebssysteme herausbringt, brauchen die ja Jahre, um die sicher zu bekommen. Relativ sicher.  Diese Zwischenzeit muss man immer abwarten, wenn man die professionell einsetzen will.

Die Umstellung der Geldautomaten muss übrigens nicht nur bei der Volksbank Halle, sondern bei allen deutschen Banken, per Hand erfolgen. In vielen Fällen reich dafür nicht einmal die Speicherkapazität und muss dann auch erweitert werden.

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

Author: Michael Voß

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