Das Radio der Zukunft

MDR INFO, 04.09.12
Auf die Frage, ob man mit UKW-Radio nicht ausreichend versorgt sei, kam vom ARD-Koordinator Digitalradio, Joachim Kraus, eine klare Antwort:
Sind Sie. Das finde ich toll, wenn Sie das so empfinden.
Doch Joachim Kraus stände nicht am ARD-Stand auf der Funkausstellung, wenn Digitalradio nicht doch noch einen gewaltigen Mehrwert bieten würde.
Die Menschen sind gerne Willens, zusätzlich zu dem, was sie hören – das sind zumindest die Erfahrungen, die wir aus Messungen, aus Umfragen haben – zusätzliches Informationen zu bekommen. Das kennt man aus dem Internet. Man sieht oder hört etwas und klickt mal eben nach nebenan. Dafür musste man bisher die Radioempfangsumgebung verlassen. Wir möchten uns gerne darauf einstellen, dass wir Programm begleitend zusätzliche Informationen bieten, die sie im UKW-Zusammenhang nicht empfangen und übertragen können.
Zusatzdienste: Das können Nachrichtenübersichten, Wetterinformationen, Titellisten sowie aktuellere und schnellere Verkehrsinformationen sein, die auf einem kleinen Display des Radios erscheinen. Bei den Verkehrsmeldungen wird beispielsweise der auf UKW bereits vorhandene TMC-Dienst durch das TPEG-System ersetzt. Dieses System wurde durch das Berliner Fraunhofer Fokus Institut entwickelt. Parallel zu den Radio-Sendungen werden  Daten zum Navigationssystem des Autos übertragen, die Stau-Anfang, Stau-Ende und Verzögerungen vorhersagen können. Und das viel schneller und umfangreicher, als bisher. Birgit Kwella von Fraunhofer ist an der Entwicklung von TPEG beteiligt und fasst die Vorteile in einem Satz zusammen.
Statt 10 Meldungen pro Minute gibt es mit DAB 3.000 Meldungen pro Minute.
Während einer Testfahrt im Auto erzählt ihr Kollege Olaf Korte, was das konkret für die Autofahrer heißt:
Das heißt, ich kann jetzt auch, wenn ich mit einem Fahrzeug eine lange Strecke antrete, beispielsweise von München nach Hamburg, bereits von München aus mit dem Navigationssystem die zukünftige Stausituation im Raum Kassel berücksichtigen, um einen Stau frühzeitig großräumig zum umfahren.  Das geht bisher mit den UKW-basierten Systemen nicht.
Aber das Digitalradio leistet noch mehr. So kann beispielsweise bei Musikproduktionen erstmals mobil in Deutschland ein Surround-Klang, wie er vielleicht von zuhause oder aus dem Kino bekannt ist, erzeugt werden.
Digitalradio ist also mehr, als das normale Radio: Es nutzt die weiterhin vorhandene Aktualität des herkömmlichen Programme und kombiniert diese mit modernen Übertragungsmethoden und Zusatzfunktionen. Digitale Radiogeräte gibt es zu normalen Radiopreisen – und die meisten können auch weiterhin UKW empfangen – auch wenn man es eigentlich nicht mehr braucht.
(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

Author: Michael Voß

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