Das Darknet: Eine Insel der Anonymität

Matthias Ungethüm, Hacker
Matthias Ungethüm, Hacker
12.11.14 – Matthias Ungethüm ist Hacker und kennt sich im Darknet gut aus. Für ihn ist klar:

Man geht ja nicht einfach so in das Darknet, weil man da seine Steuererklärung machen will. Man geht ja da rein, weil man ganz speziell die Absicht hat, irgendwas Kriminelles zu machen. Das ist zumindest die Hauptambition von denen, die da reingehen.

Ein digitaler Umschlagplatz für Kriminalität? Internetexperte Matthias Ungethüm hat hier schon viel entdeckt.

Es ging in der ganzen Szene rum: Also, in Pastebin gibt es diese Webseite, da kannst du Texte hochladen, ging ein Link rum, in dem stand halt drin, dass da irgendwie jemand einen Mörder sucht. Und dann hat sich tatsächlich noch jemand gemeldet, im späteren Post. Ob die das wirklich durchgezogen haben, das weiß man natürlich nicht.

Bekannt ist das Darknet auch durch den Verkauf von Drogen. Vor wenigen Tagen wurde durch das FBI ein digitaler Drogen-Markt entdeckt und geschlossen. Doch die Anonymität ruft auch andere, legale Unternehmen und Personen auf die dunkle Seite des Internets:

Es wird deswegen genutzt, weil man sich darin schlicht und einfach ein ganzes Stück anonymer fühlt.

Hier sind auch Menschen unterwegs, deren Interessen für sie peinlich sind oder die gegen gesellschaftliche Werte verstoßen. Diese Anonymität ist der Unterschied zwischen dem eigentlichen Internet und dem Darknet: Im dunklen Netz muss man seine Identität nicht preisgeben. Die unterschiedlichen Ecken des Netzes entdeckt man erst durch Einladungen Gleichdenkender. Andere Menschen wissen von deren Existenz nichts. Technisch funktionieren beide Netze allerdings ähnlich: Sie sind ein Zusammenschluss vieler Server. Vergleichbar ist das Darknet mit einem Intranet – einem Netz im Netz -, wie es vor allem große Firmen für ihre Mitarbeiter anbieten. Externe Personen haben keine Zutritt. Hier sind dann nur bestimmte Personen unterwegs und deshalb kann man auch mal über Dinge schreiben, die nicht öffentlich sind. Bislang war dieses Netzt auch frei von staatliche Eingriffen. Doch das ist nach den jüngsten Ermittlungen anders:

Wenn ein gewisses Netzwerk schon unterwandwert ist von dem Geheimdienst… In dem Fall, wie es jetzt passiert ist, würde ich auch nicht mehr reingehen. Es ist einfach zu gefährlich. Kann man unmöglich wissen, wer da alles mit drinnen steckt.

Und wer steckt hinter dem Darknetz? Wer finanziert das? Matthias Ungethüm meint:

Die finanziellen Mittel, die dazu nötig sind, sind minimal. Das bedeutet: Wenn wir uns einen Server nehmen, dann kostet der ungefähr 5 Dollar im Monat. Und dann kann man einen eigenen Tor-Knotenpunkt aufsetzen.

Es sind also zum Großteil die Nutzer selbst, die das Darknet betrieben. Oft sind Seiteninhalte auch als Mehrfach-Kopie auf anderen Servern vorhanden. Dann bleiben die Daten im Darknetz vorhanden, wenn ein Server entdeckt und abgeschaltet werden sollte. So wird sich das Darknetz kaum auflösen lassen.

Author: Michael Voß

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