DAB+-Pilotprojekt in Sachsen zieht positive Zwischenbilanz – Erfolgreiche regionale Radiosender in Freiberg und Leipzig auf DAB+

Martin Deitenbeck, Sächsische Landesmedienanstalt
Martin Deitenbeck, Sächsische Landesmedienanstalt
Das Radio der Zukunft ist digital. Der technische Standard dafür heißt DAB+. MDR Aktuell und auch alle anderen Sender des MDR sind bereits über diesen technischen Standard zu empfangen. Doch die Forschung geht weiter. Ein interessantes Radio-Projekt startete Anfang des Jahres in Sachsen. Darüber berichtete ich im ARD-Hörfunk.

Ausgerechnet die Gegner des digitalen Radio-Standards DAB+ waren die Ideengeber für ein neues DAB+-Projekt, erzählt Martin Deitenbeck. Der Geschäftsführer der Sächsischen Landesmedienanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien grinst dabei verschmitzt. Er setzt auf das digitale Radio und würde in Zukunft gern auf die alte UKW-Technik verzichten.

Und vor dem Hintergrund, dass ausgerechnet aus Nordrhein-Westfalen immer der Vorwurf kam: „Also wir haben hier 40 Lokalstationen. Das lässt sich mit DAB gar nicht realisieren, deswegen bleiben wir bei UKW.“ Dann haben wir gesagt: „Ok, dann versuchen wir mal den Gegenbeweis anzutreten.“ Und haben das hier realisiert, um zu gucken: „Lässt es sich denn wirtschaftlich machen?“Martin Deitenbeck, Sächsischen Landesmedienanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien

Und so starteten Ende Januar 2018 insgesamt 27 sächsische Radiostationen in Freiberg und Leipzig mit einem Pilotprojekt.

Wir haben Veranstalter dabei, die aus dem Internetradio-Bereich kommen – aus Markkleeberg Second Radio oder eben der Universitäts-Sender Mephisto. Die haben jetzt einen 24 Stunden-Programm aufgelegt. Oder auch detektor.fm ist dabei. Und dann sind natürlich auch die die bekannten UKW-Größen dabei, also sowohl die BCS als auch die Regiocast sind mit eigenen neuen Programm auf Sendung gegangen.Martin Deitenbeck, Sächsischen Landesmedienanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien

Ein bunter Mix also. Eines dieser regionalen Radios, Second Radio, sendet aus Markkleeberg.

Guten Morgen! Guten Morgen! Und wieder ein guter Start in den Tag. Mit Second Radio. …. Und mit dem Montag. Ja, wir haben es 6 Uhr und fünf Minuten….Second Radio
Angelika Pörsch, Second Radio
Angelika Pörsch, Second Radio
Angelika Pörsch ist Morgenmoderatorin von Second Radio und auch dessen Betreiberin. Vor acht Jahren begann alles als Web-Radio, das nur im Internet zu hören war. Ein Zimmer ihrer Wohnung ist weiterhin ihr Studio und gleichzeitig Sendezentrale. Hier steht Oscar – der Server, auf dem die Musik der nächsten Tage gespeichert ist und der rund um die Uhr senden kann.

Es gibt einen Stream und die anderen Kollegen – die Moderatoren – die sitzen bundesweit und die schalten sich einfach zu mir jetzt hier in die Zentrale.Angelika Pörsch, Second Radio

Zu festen Zeit – wie zum Beispiel zwischen 6 und 9 Uhr die tägliche Morgensendung der Radio-Chefin – öffnen sich so Fenster für die anderen Moderatoren, die ebenfalls aus ihren Wohnungen oder Büros auf Sendung gehen. Zwischen den Live-Sendungen sorgt der Server Oscar dann wieder für Musik. Angelika Pörsch ist zufrieden mit DAB+.

Wir sind jetzt nicht nur Web-Radio, sondern wir sind ein richtiges Radio. Das ist ja eine richtige Radiolizenz.Angelika Pörsch, Second Radio

Deshalb wolle man nach dem Ende des Pilotprojektes 2020 weiter machen.

In der Sächsischen Landesmedienanstalt hört man das gern. Martin Deitenbeck zieht bereits jetzt eine positive Bilanz. Eine Untersuchung in Freiberg und Leipzig ergab demnach:

Es hat signifikante Steigerung sowohl beim Geräteverkauf, als auch bei der Nutzung gegeben. Also man kann sagen, das Lokalradio über DAB + funktioniert.Martin Deitenbeck, Sächsischen Landesmedienanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien

Und diese schöne Radiobotschaft wird er nun seinen skeptischen Kollegen in Nordrhein-Westfalen übermitteln.

Author: Michael Voß