CeBIT: Weniger Bürokratie rettet Leben – Friedrich-Schiller-Universität Jena stellt App für Rettungseinsätze vor

Über Laptop, Tablet oder PC lassen sich alle Einsatzinformationen ablesen. Diese werden durch die Apps der Einsatzkräfte übermittelt.
Über Laptop, Tablet oder PC lassen sich alle Einsatzinformationen ablesen. Diese werden durch die Apps der Einsatzkräfte übermittelt.
19.03.15 (MDR INFO) – Diese App kann Leben retten. Denn, was die Wissenschaftler der Friedrich- Schiller-Universität Jena jetzt auf der Computermesse CeBIT vorstellen, verschnellert die Verwaltungsarbeit bei Rettungseinsätzen ungemein.

Ein Feuerwehr- oder Notarzteinsatz fängt häufig so an:

(Piepen)

Der altertümliche Pager alarmiert den Feuerwehrmann, der Zuhause, auf Arbeit oder unterwegs ist. Je nach Situation kommt er sofort, später oder gar nicht in der Wache an – der Pager lässt keine Rückmeldungen zu. Wenn nach wenigen Minuten nicht eine Mindeststärke von freiwilligen Rettungskräften in der Wache ist, kann die Feuerwehr nicht losfahren und es muss die Nachbarwehr alarmiert werden. Doch wichtige Zeit verstreicht ungenutzt, bis der zuständige Gruppenführer weiß, ob und wann seine Feuerwehr ausrücken kann.

Das soll jetzt eine App auf den Handys der Feuerwehrleute verbessern – die dann auch den Pager überflüssig macht. Volkmar Schau von der Friedrich-Schiller-Universität Jena ist Leiter dieses Projektes – das Ziel: eine sofortige Rückmeldung der freiwilligen Helfer.

Volkmar Schau leitet das Projekt der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Volkmar Schau leitet das Projekt der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Jetzt kann ich aber meinem Gruppenführer sagen, ich komme, ich komme nicht, ich komme in soundsoviel Minuten. Er kriegt das auch, wie man es hier sehen kann, farblich visualisiert und kann dann selber entscheiden: Kann er mit seiner Gruppe raus, kann er das der Leitstelle sagen, auch vielleicht mit wieviel Minuten Verzögerung.

So funktioniert die Kommunikation ohne viel Mehrkosten in beide Richtungen und verschnellert die Reaktionszeit. Eine Ersatz-Feuerwehr kann bei Bedarf kurz nach dem ersten Alarm informiert werden.

Doch das Projekt unterstützt auch den Einsatz eines Rettungswagens. Schon beim Notruf bekommen die Einsatzkräfte erste Informationen. Vor Ort werden dann durch den Rettungssanitäter oder Notarzt weitere Daten hinzugefügt: Name, Adresse, Verletzung, medizinische Werte, wie Blutdruck und Puls. Zur Zeit wird das handschriftlich in ein Formblatt eingetragen, welches dann im Rettungswagen mit in das Krankenhaus befördert wird. Künftig sollen alle Informationen durch die App gesammelt und digital an das Krankenhaus übermittelt werden. Das erspart dort die erneute Übertragung der Daten und verringert Fehlerquellen.

Hohe Bedeutung hatder Datenschutz, wie Volkmar Schau betont. Deshalb ist es wichtig…

… dass diese Informationen auf den Geräten verschlüsselt abgelegt sind. Informationen, die die Rettungsdienste sehen dürfen, darf beispielsweise die Polizei nicht sehen. Der Rettungsdienst sieht natürlich alles, was für den Patienten relevant ist, für die Polizei gibt es maximal statistische Informationen davon.

Mit der App lässt sich jederzeit der Standort des Patienten nachverfolgen, denn bei einem Wechsel vom Krankenwagen in das Krankenhaus wird der Code am Patientenarmband erneut eingescannt. Angehörige können so schnell informiert werden. Und zentral kann auch bei Großeinsätzen sofort festgestellt werden, welche Notaufnahmen überfüllt und welche Rettungsfahrzeuge wieder zur Verfügung stehen.

Noch ist das Projekt in der Entwicklungsphase, aber konkrete Gespräche mit Landkreisen gibt es schon.

Author: Michael Voß