partnersuche.de: Vorsicht, Abo-Falle!

MDR INFO, 14.12.12
–> Beitrag anhören
–> ausführliche Dokumentation des Falles
Die Leipziger Internetfirma Unister hat uns in dieser Woche öfter beschäftigt. Gegen sie wird derzeit von der Staatsanwaltschaft  wegen illegaler Versicherungsvermittlung und Steuerhinterziehung ermittelt. Zwei Manager sitzen sogar in Untersuchungshaft. Unister bietet viele Internetportale an – beispielsweise www.ab-in-den-urlaub.de. Und dann gibt es da auch noch die Partnersuche. Ein Portal für Menschen, die einsam sind und den Mann oder die Frau für das Leben suche. Doch hier heißt es aufpassen. Partnersuche.de klingt harmlos, doch das ist es offenbar nicht.

Er ist einer derjenigen, die eine Partnerin suchen. Es ihm zwar nicht peinlich, aber er möchte trotzdem seinen Namen nicht öffentlich nennen. Bei partnersuche.de hoffte er, eine Frau für das Leben zu finden. Stattdessen machte er eine Erfahrung für das Leben.

Da wurde angeboten für zwei Wochen so ein Probeabo anzunehmen, für 4 Euro 99. Das habe ich angegeben und mit Paypal bezahlt. Und ja, dann war irgendetwas versteckt. Jedenfalls nach zwei Wochen kam eine Zahlungerinnerung in Höhe von 474 Euro. Und die soll ich zahlen, wie die Mitgliedschaft automatisch verlängert wurde.

Durch Erinnerungen, Mahnungen und eine Inkassogesellschaft ist die Summe inzwischen auf knapp 600 Euro angestiegen. Dieser Internetnutzer suchte sich nun einen Anwalt. Der Jurist Stefan Musiol hat partnersuche.de gleich genauer untersucht und sich probeweise selbst angemeldet.

Was zunächst auffällt ist ja, dass auf dem  Portal zunächst einmal überhaupt keine Konditionen genannt werden und man sich dann erst über nicht weniger als 13 Formulare klicken muss, die jeweils zahlreiche Angaben erfordern. Also, man muss da seine ganze Persönlichkeitsstruktur abgeben, um überhaupt zu erfahren, was das Ganze denn kosten soll.

Wer sich bis dahin durchgeklickt hat, kann die Bezahlungsmethode wählen und erfährt in der rechten Spalte groß und rot gedruckt: „Gesamtkosten: 4 Euro 90“. Wesentlich kleiner und in grauer Schrift kommen dann weitere Erläuterungen. Unter anderem erfährt man, dass sich die Kennlernmitgliedschaft nach Ablauf automatisch in eine 12monatige Premiummitgliedschaft zu 39 Euro 50 pro Monat verändert.

Wer das nicht will, muss rechtzeitig kündigen – denn laut Allgemeinen Geschäftsbedingungen gilt eine eintägige Kündigunsfrist. Mit anderen Worten: Wer wirklich 14 Tage lang ausprobiert, ist viel zu spät dran. Deshalb empfiehlt es sich, spätestens drei Werktage vor Ende der Probezeit zu kündigen – per Fax oder per Einschreiben. Doch viele Verbraucher übersehen sehen dies und müssen dann 477 Euro im Voraus für das Jahres-Abo bezahlen – 100 mal mehr, als für das eigentlich Probe-Abo veranschlagt. Übrigens: Die Betreiberfirma Unister wollte zu dem Fall keine Stellung nehmen. Man sei mit den aktuellen juristischen Problemen beschäftig.

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

Neue Vorwürfe gegen Unister

Es wird in dieser Woche schon zur Gewohnheit: Gerade war ich wieder live im Studio-Gespräch bei MDR INFO und habe von neuen Vorwürfen gegen das Leipziger Internet-Unternehmen Unister erzählt. Diesmal ging es um einen Prozess, den Unister gegen den Sächsischen Datenschutzbeauftragten in erster Instanz verloren hat.

Außerdem soll die Unister-Holding in acht Unternehmen keinen rechtmäßigen Datenschutzbeauftragten haben. Gegen diese Feststellung klagt das Unternehmen allerdings derzeit vor dem Verwaltungsgericht.

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

Nach den Verhaftungen: Unister stellt umstrittene Dienstleistung ein

Gestern rückte die Staatsanwaltschaft beim Leipziger Internetanbieter Unister an, beschlagnahmte Unterlagen und ließ zwei Manager verhaften. Der Vorwurf: Steuerhinterziehung und unerlaubtes Betreiben eine Versicherungsgeschäftes. Doch die Firma selbst sieht das alles ganz anders – und sieht sich weiter im Recht.

Konstantin Korosidis, Unister

Der Streit geht darum, ob ein sogenannter Storno-Schutz bzw. die Möglichkeit Flüge und Reisen umzubuchen eine Versicherung ist oder nicht. Eine Versicherung braucht nämlich eine staatliche Lizenz und kostet Versicherungssteuer. Eine Dienstleistung ist von beidem ausgenommen.

Unister sieht in dem Angebot keine Versicherung, sondern eine – so wörtlich –  “Nebenleistung zur Reisevermittlung”. Konstantin Korosides, Leiter der Unternehmenskommunikation:

Fakt ist, dass es unterschiedliche Bewertungen gibt, Fakt ist auch, dass wir überrascht waren, wie das jetzt abgelaufen ist.

Doch so überraschend kann es für Unister nicht sein. Der MDR-Rechercheredaktion liegt ein Schreiben vor, welches die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht – kurz Bafin – im Juni 2011 an Unister schickte. Darin geht es um einen Stornoschutz beim Angebot hotelreservierung.de. In diesem Schreiben wird klar festgestellt, dass die Voraussetzungen für eine Versicherung erfüllt sind. Weiter schreibt der zuständige Bafin-Mitarbeiter:

Eine Erlaubnis zum Betreiben von Versicherungsgeschäften habe ich Ihnen nicht erteilt. Das unerlaubte Betreiben von Versicherungsgeschäften … ist strafbar.

Wenige Wochen nach dieser deutlichen Feststellung erweiterte Unister sogar das strittige Produkt auf weitere Reiseangebote des Unternehmens.

Die Bafin zögert jedoch durchzugreifen. Das lag das offenbar an umfangreichen Ermittlungen, wie Sprecher Sven Gebauer meint:

Es liegt natürlich in der Natur der Sache, dass ein Ergebnis in einer Untersuchung eben am Ende einer Untersuchung steht. Das ist eben jetzt der Fall. Auch wenn die Untersuchung oder die Ermittlungen schon länger laufen

Und so wurden der Gründer und Geschäftsführer sowie der Finanzchef von Unister gestern verhaftet – und zahlreiche Firmendokumente für weitere Untersuchungen beschlagnahmt.

Unister-Zentrale in Leipzig

Unister reagierte am heutigen Nachmittag mit einer ersten Entscheidung – Konstantin Korosides:

Also, wir werden das strittige Produkt, um das es jetzt geht, austauschen, bis die Vorwürfe geklärt sind, und für die Kunden war das eh immer ein Nebenprodukt, jemand konnte es haben, wenn er es wollte, musste es aber nicht neben.

Insgesamt versucht der Leiter der Unternehmenskommunikation  zu beschwichtigen. Für die Kunden gäbe es keinerlei Nachteile. Das Unternehmen würde ohne Störung weitergeführt – es gäbe noch einen Manager mit vollständiger Unterschriftsberechtigung.

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

Unister-Kunden haben weiter Versicherungsschutz

MDR INFO, 12.12.12
->Beitrag anhören

Gestern gab es eine Razzia gegen den Leipziger Internethändler Unister. Zwei Personen aus der Führungsetage wurden verhaftet, gegen acht Mitarbeiter wird ermittelt. Der Vorwurf: Ohne Lizenz seien Versicherungen verkauft und mindestens eine Million Euro an Versicherungssteuer nicht abgeführt worden. Was passiert nun mit den Kunden der Firma?

Versicherungen und Banken brauchen Zulassungen. Und die soll es bei Unister nicht gegeben haben – so der Vorwurf der ermittelnden Staatsanwaltschaft. Konkret geht es demnach um die  Absicherung bei Reise-Stornierungen. Dahinter habe nicht, wie sonst üblich, eine Versicherung gestanden, sondern Unister selbst. Das Bundesamt für das Finanzwesen – jene Behörde in Bonn, die alle Banken und Versicherungen in Deutschland kontrolliert – stellte fest, dass Unister keine Versicherungs-Lizenz habe. Das sei illegal – und deshalb gab es gestern die Razzia.

Was aber ist mit dem Reisekunden von Unister, die diese  Rücktrittsversicherung abgeschlossen haben? Verfällt damit der Versicherungsschutz?

Sven Gebauer ist Pressesprecher des Bundesamtes für das Finanzwesen – besser bekannt unter dem Kürzel Bafin. Einschreiten und durchgreifen – das müsse seine Behörde, sagt er.

Allerdings ist es so, dass  die hoheitliche Tätigkeit der Bafin – also auch ein Einschreiten gegen unerlaubte Versicherungsgeschäfte – nicht die zivilrechtliche Wirksamkeit von Versicherungsverträgen oder überhaupt von Verträgen berührt. Das heißt, unsere Tätigkeit hat letztlich keinen Einfluss auf die Wirksamkeit solcher Verträge.

Zusammengefasst: Die Kunden können beruhigt sein. Auch wenn Unister illegal Versicherungen angeboten haben sollte – der Versicherungsschutz bleibe bestehen.

Trotzdem heißt es bei künftigen Verträgen: Aufpassen. In der Vergangenheit gab es immer wieder Vorwürfe gegen Unister, dass Kunden unzureichend über die Angebote informiert wurden und dass Datenschutzbestimmungen nicht eingehalten wurden. Außerdem sollen Preisvergleiche nur zwischen eigenen Tochterunternehmen durchgeführt worden sein. Unister ging allerdings regelmäßig mit Gegendarstellungen gegen die Medien vor und gewann fast durchgängig vor Gericht.

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

Razzia beim Leipziger Internetanbieter Unister

MDR INFO, 11.12.12
-> Beitrag anhören
-> Gespräch anhören

In Leipzig und anderen Städten hat die Staatsanwaltschaft heute eine Razzia gegen die Firma Unister durchgeführt. Außerdem kam es zu Verhaftungen. Unister betreibt unter anderem das Internetportal ab-in-den-urlaub.de.

Es war noch früh heute morgen, als Beamte des Landeskriminalamtes und der Sondereinheit INES die Unister-Firmenzentrale in Leipzig stürmten. Die Generalstaatsanwaltschaft hatte auf Überraschung gesetzt, wie Oberstaatsanwalt Wolfgang Klein erläutert:

Ich gehe davon aus, dass die betroffene Firma hiervon überrascht worden ist. Es gab im Vorfeld hier keine Zusammenarbeit.

Gleichzeitig wurden Büros und Wohnungen in Stralsund, Hamburg und Dresden durchsucht. Zwei Mitarbeiter aus der Führungsebene kamen in Haft. Die Vorwürfe gegen die Firma sind gravierend, denn sie hat offenbar zahlreiche Kunden richtiggehend reingelegt, wenn es um die Absicherung beispielsweise von Reisen ging. Wolfgang Klein:

Ja, im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens gehen wir dem Verdacht nach, dass diese Firma über ihre Internetplattformen auch Versicherungsleistungen anbietet, zu denen sie keine Genehmigungen hat.

Versicherungsleistungen ohne Genehmigungen – in der Folge sollen Unister bzw. zur Holding gehörende Firmen auch keine Versicherungssteuer bezahlt haben. Insgesamt sei dem Fiskus dadurch eine Million Euro entgangen, heißt es bei der Generalstaatsanwaltschaft. Schätzungen von Insidern gehen nach MDR-Informationen allerdings von weit höheren Beträgen aus, die hinterzogen wurden.

Unister hält sich deutlich zurück. Dem MDR FERNSEHEN sagte Unternehmensprecher Konstantin Korosides:

Also, wir können zum derzeitigen Zeitpunkt sagen, dass wir uns nicht äußern. Wir müssen uns erst einmal einen Überblick verschaffen zu den Vorwürfen und mehr können wir derzeit nicht sagen. Und möchten das auch nicht sagen und bitten hierfür um Verständnis.

Unister ist eine Holding zu der mehrere Firmen gehören, die Internetportale betreiben. Dazu gehören unter anderem ab-in-den-urlaub.de, fluege.de und hotelreservierung.de. In der Vergangenheit gab es immer wieder Vorwürfe, dass Kunden unzureichend über die Angebote informiert wurden und dass Datenschutzbestimmungen nicht eingehalten wurden. Außerdem sollen Preisvergleiche nur zwischen eigenen Tochterunternehmen durchgeführt worden sein. Unister ging regelmäßig mit Gegendarstellungen gegen die Medien vor und gewann fast durchgängig vor Gericht.

Unister ist vor 10 Jahren durch Thomas Wagner eigentlich als Studentennetzwerk gegründet worden. Der aus Dessau stammende Unternehmer studierte damals Betriebswirtschaftslehre, brach das Studium aber ab, um Unister weiter auszubauen. So entstand eine Holding mit vielen Tochterunternehmen, die hauptsächlich im Reisebereich tätig ist. Zwischen 1.500 und 1.600 Mitarbeiter sind inzwischen in dem Unternehmen beschäftigt.

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

Google Zeitgeist 2012: Die EM und Olympia, Dirk Bach und Felix Baumgartner sind die Such-Hits der Deutschen

Die EM gefolgt von Dirk Bach, Olympia und Felix Baumgartner zählen zu den Top-Suchbegriffen der Deutschen auf google.de. Das ergibt der am Dienstag veröffentlichte Google Zeitgeist 2012. Neben den meist gesuchten Themen, Bildern und Personen umfasst das Such-Ranking auch in diesem Jahr ausgewählte Themenkategorien. Darunter die meist gesuchten Automarken, Athleten, Bundesliga-Clubs, Orte, Politiker, Reiseziele, Songs, Städte, Technikgeräte und TV-Shows. Die Auswertung des Google Zeitgeist eröffnet einen einzigartigen Blick durch die kollektive Brille von Internetnutzern in Deutschland – und damit auf die wichtigsten Ereignisse und Trends aus Sicht von beispielsweise Verbrauchern, Bürgern oder Fans.

Hinweis: Bei den mit “*” gekennzeichneten Untersuchungen wurden nicht die absoluten Zahlen berücksichtigt, sondern eine Wertung eingefügt, damit mit nicht nur die Standardbegriffe wie “Wetter” auftauchen.

Suchanfragen mit dem größten Wachstum*

1. EM 2012
2. Dirk Bach
3. Olympia 2012
4. Felix Baumgartner
5. Samsung Galaxy S3
6. Bettina Wulff
7. iPad3
8. Whitney Houston
9. Kate Middleton
10. Voice of Germany

Personensuchen mit dem größten Wachstum*

1. Dirk Bach
2. Felix Baumgartner
3. Bettina Wulff
4. Whitney Houston
5. Kate Middleton
6. Sebastian Vettel
7. Brigitte Nielsen
8. Mitt Romney
9. Lana del Rey
10. Cro

Meist gesuchte Songs

1. Gangnam Style – Psy
2. Call me Maybe- Carly Rae Jepsen
3. Diamonds -. Rihanna
4. Leider geil – Deichkind
5. I follow rivers – Lykke Li
6. Lila Wolken -. Marteria, Yasha & Miss Platnum – Lila Wolken
7. Eays – Cro
8. Du – Cro
9. Skyfall – Adele
10. Someone Like You – Adele

Meist gesuchte TV Shows

1. Voice of Germany
2. Dschungelcamp
3. Der Bachelor
4. DSDS
5. Schlag den Raab
6. Game of Thrones
7. Wetten, dass
8. Bauer sucht Frau
9. Let’s Dance
10. Eurovision

Meist gesuchte Reiseziele

1. London
2. New York
3. Paris
4. Barcelona
5. Mallorca
6. Thailand
7. Amsterdam
8. Rom
9. Istanbul
10. Wien

Bildersuchen mit dem größten Wachstum*

1. Wallpaper
2. Liebe
3. Megan Fox
4. iPhone 5
5. Blumen
6. Cro
7. Tattoo
8. Selena Gomez
9. Frisuren
10. Minecraft

Technikgeräte mit dem stärksten Wachstum

1. Samsung Galaxy S3
2. iPad 3
3. iPad Mini
4. Nokia Lumia 920
5. iPhone 5
6. HTC one
7. iPhone 4S
8. Nexus 7
9. Samsung Galaxy Note
10. HTC One S

Meist gesuchte Bundesliga Clubs

1. Borussia Dortmund   
2. FC Bayern München
3. Hamburger SV
4. FC Schalke 04
5. Borussia Mönchengladbach
6. Eintracht Frankfurt
7. SV Werder Bremen
8. Fortuna Düsseldorf
9. Hertha BSC   
10. Hannover 96

Meist gesuchte Automarken

1. Opel
2. BMW
3. Audi
4. VW
5. Mercedes
6. Renault
7. Porsche
8. Ford
9. Honda
10. Toyota

Meist gesuchte deutsche Politiker

1. Christian Wulff
2. Angela Merkel
3. Peer Steinbrück
4. Joachim Gauck
5. Wolfgang Schäuble
6. Hannelore Kraft
7. Johannes Ponader
8. Philipp Rösler
9. Ursula von der Leyen
10. Jürgen Trittin

Meist gesuchte Städte in Google Maps

1. Berlin
2. München
3. Frankfurt
4. Köln
5. Hamburg
6. Dresden
7. Stuttgart
8. Hannover
9. Leipzig
10. Bremen

Meist gesuchte Athleten

1. Lionel Messi
2. Usaine Bolt
3. Sebastian Vettel
4. Christiano Ronaldo
5. Roger Federer
6. Zlatan Ibrahimovic
7. Manuel Neuer
8. Rafael Nadal
9. Fernando Alonso
10. David Beckham

Meist gesuchte Orte in Google Maps

1. Hotel
2. Camping
3. Restaurant
4. Pension
5. Supermarkt
6. Tankstelle
7. Ostsee
8. Ferienwohnung
9. Bahnhof
10. Nordsee

(Quelle: Google-Pressemitteilung)

*: Bei den mit “*” gekennzeichneten Untersuchungen wurden nicht die absoluten Zahlen berücksichtigt, sondern eine Wertung eingefügt, damit mit nicht nur die Standardbegriffe wie “Wetter” auftauchen. 

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

Google hatte kurzzeitig Probleme

Google hatte am Abend offenbar weltweit Probleme. Störungen gab es im Bereich Gmail, dem E-Mail-Dienst von Google (The Verge u.a), Google Talk, Google Drive und mit dem Chrome-Browser. Bei mir waren ein paar Seiten offline.

Bei Twitter setzte ein Pressesprecher von Google diesen Text ab.


Eine Frage bleibt nach diesem kurzen Blackout allerdings: Wie eng ist der Chrome-Browser mit den Google-Servern verbunden? Warum stürzt er gleichzeitig ab?

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

Verbraucherzentrale klagt gegen Facebook

MDR INFO, 10.12.12
-> Beitrag anhören

Klagen über Facebook gibt es genug. Klagen gegen Facebook weniger. Nun klagt die Verbraucherzentrale, der Bundesverband in Berlin. Es geht – wie so oft – um mangelnden Datenschutz.

Die Verbraucherzentrale hatte Facebook bereits abgemahnt. Das Ergebnis: Kein “Gefällt mir”-Klick, sondern viel schlimmer: Keinerlei Reaktion. Nur wurde Klage eingereicht gegen Facebook in Irland – denn dort sitzt die Europazentrale des Anbieters. Konkret geht es um das bei Facebook vorhandene App-Zentrum. Hier gibt es Spiele und sonstige Zusatzfunktionen, die von Fremdfirmen programmiert und betrieben werden. Alles natürlich mit der Erlaubnis und mit viel Hilfe von Facebook.  Aus diesem App-Zentrum wandern Daten der Facebook-Nutzer hinüber, zu den Fremd-Firmen, ohne das die Nutzer ausreichend informiert werden – findet zumindest  Carola Elbrecht vom Bundesverband der Verbraucherzentralen:

Standardmäßig steht hier immer, dass allgemeine Informationen weitergegeben werden an den Betreiber. Dann oftmals auch die E-Mailadresse, irgendwelche Statusmeldungen, aber auch Spielstände und mehr. Also, ist noch völlig offen formuliert. Wir wissen auch nicht, was das heißt, wenn noch mehr Daten weitergegeben werden. Da ist natürlich völlig intransparent.

MDR INFO probierte dies einmal aus. Die eigene E-Mailadresse wird offenbar standardmäßig an die Fremdanbieter weitergeleitet. Außerdem  – so wörtlich – “allgemeine Informationen”. Ein Klick auf das dahinter liegende Fragezeichen führt auf eine neue Seite namens “Datenverwendungsrichtlichtlinie“. Hier heißt es – und es wird im Facebook-Jargon sofort gedutzt -, dass die Anbieter  „unter anderem deine Nutzerkennnummer sowie die Nutzerkennnummern deiner Freunde und deine öffentlichen Informationen“ erhalten. Mit anderen Worten: In dem Moment gibt man nicht nur seine eigene Identität Preis, sondern auch die seiner Freunde. Im Zusammengang mit der E-Mailadresse, die oftmals den tatsächlichen Namen beinhaltet, erhalten die Spieleanbieter damit ungeahnte Möglichkeiten.

Es ist durchaus möglich, dass dann aus den unterschiedlichsten Quellen dann eben diese Daten zusammengeführt werden. Dann bin ich nicht nur Lieschen, auf Facebook, sondern heiße Lieschen Müller. Mann kann dann schnell darauf schließen, dass ich seit fünf Jahren einen festen Freund habe, 1980 geboren wurde und Krimis gerne lese. Und dann wird’s natürlich schon datenschutzrechtlich problematisch.

Facebook schickte MDR INFO lediglich eine schriftliche Stellungnahme. Darin zeigte man sich erstaunt darüber, dass die Verbraucherzentrale öffentliche Gelder nutze, um rechtliche Schritte zu kleinen Detailfragen einzuleiten. Außerdem wird auf die bereits erwähnte “Datenverwendungsrichtlinie” hingewiesen.

Wir stellen umfassend transparente Informationen und Kontrollmöglichkeiten hinsichtlich der Frage, wie Applikationen auf Facebook funktionieren, zur Verfügung und erklären dies ausführlich in unserer Datenverwendungsrichtlinie.

Mit keinem weiteren Wort erklärt Facebook allerdings, weshalb die Vorwürfe der Verbraucherzentrale über die schlechte Information unzutreffend seien.

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

Bitterfeld-Wolfen: Datenschutz geht zur Schule

MDR INFO, 06.12.12
->Beitrag anhören

In Bitterfeld setzt das Europagymnasium “Walter Rathenau” auf eine neue Ausbildung im Datenschutz für alle Schüler. Das Projekt “Datenschutz geht in die Schule” läuft zur Zeit in Zusammenarbeit mit dem Stadtwerken Bitterfeld-Wolfen.

Tatort: Internet, Tatumfeld: Schule, Tatvorgang: Cybermobbing – die üble Nachrede im Internet.  Florian Fiedler ist Schulsprecher am Europagymnasium Bitterfeld. Er hatte sich im sozialen Netzwerk “Schüler CC” ein Profil angelegt und dann passierte es.

Zwei Tage später hat dann irgendjemand mit irgendeinem Bild, was er von mir hatte, so ein gleiches Profil, Fakeprofil nennt sich das, von mir erstellt und ist dann damit irgendwo im Internet rumgegangen. Das war natürlich extrem scheiße, um das mal so auszudrücken. Man kann nichts dagegen machen. Keiner weiß, wer ist jetzt der richtige und wer nicht.

Idenditätsklau wird so etwas auch genannt. Und davon kann seine Schulsprecherkollegin Ann-Christin Spikale ebenfalls erzählen.

Auch jemand in meinem Alter, der hat eigentlich nur ne abfällige Bemerkung über jemanden gemacht, und schon wurde ein Fakeprofil erstellt. Da wurde das Bild verunstaltet, auch irgendwelche Bemerkungen in diesem Internetprofil getätigt, die eigentlich nicht der Wahrheit entsprachen, das war schon ziemlich krass.

Noch schlimmer ist es, wenn Freunde untereinander ihre Passwörter für Facebook und Co. austauschen. Nach manch einer geplatzten Freundschaft wurde dann sogar das richtige Profil vom ehemaligen Freund geradezu gekapert und verändert.

Für Schulleiter Eckardt Appenrodt sind das ganz wichtige Probleme, die über die Schule hinaus weit in das private Umfeld seiner Schüler reinreichen. Doch für Schulen ist es mit Lehrplänen, die zehn Jahre alt sind, schwer, den Schülern hier etwas Neues beizubringen.

Die Hauptprobleme sind ganz einfach, dass wir einen technischen Fortschritt heute sehen bei Schülern, bei technischen Geräten, bei sozialen Netzwerken, die uns als Schulen eigentlich überfordern.

Deshalb läuft an seiner Schule jetzt ein dreiwöchiges Projekt. Alle Schüler, Lehrer und sogar viele Eltern am Europagymnasium werden durch einen Profi in Sachen „Datenschutz“ geschult. Möglich wurde dieses durch Hilfe von außen. Die  Stadtwerke Bitterfeld-Wolfen stellen ihren externen Datenschutzbeauftragten zur Verfügung. Seine Unterrichtstunde ist unterhaltsam, insbesondere, wenn er plötzlich Namen der Schüler aufruft, ihnen erzählt, wann sie Geburtstag haben, was sie am Vortag erlebten und mit wem sie noch so befreundet sind. Volltreffer.  All sein Wissen hat er aus Netzwerken. Für den Datenschützer Thomas Glauer ist es eine wichtige Aufgabe.

Also ich, wie auch manche meiner Kollegen, wir machen dieses Thema „Datenschutz geht in die Schule“, deswegen, weil wir der Meinung sind, das es wichtig. Das die Kinder schlicht und ergreifend informiert werden müssen, was für Risiken, aber auch was für Chancen das draußen im Internet und bei den Neuen Medien lauern.

Eine Privatinitiative, die im wahrsten Sinne des Wortes Schule macht. Bundesweit sind inzwischen 40 andere Datenschützer zum Teil in ihrer Freizeit in Schulen unterwegs.

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de