Bundesdatenschutzbeauftragter fordert Schutz für Edward Snowden

MDR INFO, 01.11.13
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In der digitalen Welt ist die Kopie einer Information genauso viel Wert, wie das Original. Und der Eigentümer merkt dabei nicht einmal, dass es eine Kopie gibt. Deshalb ist es so einfach, Informationen zu sammeln und weiterzureichen. Bekanntestes Ausspähopfer ist Bundeskanzlerin Merkel, deren Handy durch den US-Geheimdienst NSA abgehört wurde. Datenschützer sollen dies für alle Bürger verhindern und auf Gefahren aufmerksam machen. Ich habe mit dem Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar darüber gesprochen, welchen Chancen der Datenschutz überhaupt noch hat.

Peter Schaar sitzt hinter seinem Schreibtisch und druckt Grafiken für einen Vortrag aus. Thema: Datenschutz und die aktuellen US-Spionageangriffe. Telefoniert er als oberster Datenschützer überhaupt noch mit einem Handy?

Also ich habe ein Smartphone und nutze das immer noch. Aber ich bin mir durchaus bewusst, dass das nicht allzu sicher ist und es vielleicht auch Interessenten an dem gibt, was ich dort sage. Und insofern würde ich bestimme Informationen nicht über Handy preisgeben.

Wenn die Kanzlerin abgehört wird und selbst der Bundesdatenschutzbeauftrage Angst vor der Handyüberwachung  hat, hat der Datenschutz dann überhaupt noch eine Chance?

Also, Datenschutz bedeutet ja in erster Linie, in seiner ursprünglichen Ausformung, Schutz vor Ausspähung vor dem Staat. Insofern ist Datenschutz wichtiger denn je.
Der eigentliche Skandal ist ja nicht, dass das Handy von Spitzenpolitikern gegebenenfalls abgehört wird. Der wirkliche Skandal ist doch die massenweise Überwachung des Internets, der Telekommunikation, das Anhäufen von Datenmassen von völlig unbescholtenen Bürgerinnen und Bürgern.

Es gehe nicht darum, dass sich die Politik aufrege, wenn sie selbst betroffen sei, sondern es gehe darum, das Beste für das Volk zu realisieren.

Und da ist eben dieses massenweise Überwachen nicht angemessen thematisiert worden, jedenfalls nicht von Regierungsseite.

Peter Schaar spart nicht mit Kritik an der Bundesregierung. Es sei notwendig, den  Datenschutz europaweit so schnell wie möglich zu vereinheitlichen  und  das nicht zu verzögern.

Ich hab auch den Eindruck, dass Deutschland da nicht an der Spitze der Entwicklung ist. Und hier kann die neue Bundesregierung mal einen Neuanfang versuchen. Ich erwarte von der Bundesregierung, dass sie sich für eine zügige Verabschiedung der Datenschutzreform noch in dieser Legislaturperiode des Europäischen Parlaments einsetzt, also bis zum kommenden Frühjahr. Wenn das nicht gelingt, dann ist es höchst unsicher, ob es überhaupt so eine Reform gibt.

Deutlich setzt sich der Bundesdatenschutzbeauftragte für den ehemaligen US-Geheimdienstler Edward Snowden ein:

Also heute würde ich sagen, er hat Gutes geleistet, und wir haben auch einen moralischen Anspruch, ihn zu schützen. Ich denke aber, dass er zur Aufklärung noch mehr beitragen kann. Und dass, wenn es denn einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss geben sollte, es sehr sinnvoll wäre, dass man ihm auch ein Umfeld gestattet, in dem er sicher vor Auslieferung in die Vereinigten Staaten diese Erkenntnisse preisgeben kann.

Peter Schaar betont allerdings auch, dass es für die Abwehr und Aufklärung von Straftaten weiterhin notwendig sei, die Telekommunikation und den Internetverkehr zu überwachen. Das müsse aber nach den in Deutschland und Europa geltenden Gesetzen geschehen.

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

Kommentar: Deutsche Gesetze machen E-Mails auch nicht sicherer

MDR INFO, 19.07.13
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Einmal im Jahr geht die Bundeskanzlerin schon fast traditionell vor die Presse, kurz bevor sie auf Urlaub fährt. Heute Morgen war es wieder soweit. Und im Mittelpunkt der Bundespressekonferenz standen Prism und NSA – also die us-amerikanische Spähaffäre.

“Auf deutschen Boden hat man sich an deutsches Recht zu halten.” – mehrmals taucht dieser Satz bei Angela Merkel heute auf. Das durchzusetzen, darin sehe sie ihre Aufgabe als Bundeskanzlerin, sagt sie vor der Bundespressekonferenz. Ein deutlicher Hinweis in Richtung USA, die unter dem Verdacht stehen, Deutschlands E-Mail- und Internet-Verkehr ausgespäht zu haben. Das ist wichtig. Und offenbar auch ein deutlicher Hinweis an Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, den sie erst auf Nachfrage namentlich erwähnt. Er hatte nach seiner USA-Reise vor drei Tage noch festgestellt, alles sei rechtens und die deutschen Bürger sollten sich selbst um mehr Datensicherheit kümmern.
“Auf deutschen Boden hat man sich an deutsches Recht zu halten.” – dieser Satz verdeutlicht  das Problem, was wir derzeit im Internet haben. Deutsches Recht alleine kann das Internet nicht regeln und E-Mails bleiben einfach nicht auf deutschen Boden.

Die digitale Post ist grundsätzlich anderes als die analoge Post, die Schnecken-Post.

Wenn ein Papier-Brief verschickt wird, ist er genau einmal vorhanden. Wenn er von Halle nach Hamburg transportiert wird, bleibt er auf deutschem Boden und ist am nächsten oder übernächsten Tag am Ziel.

Ganz anders bei der E-Mail: Sie besteht aus unzähligen digitalen Signalen, die über das weltweite Internet verschickt werden. Auf dem Weg von Halle nach Hamburg wird diese E-Mail eventuell auch einen Umweg über die USA machen, wo die Dienste wie Google, Apple, Microsoft und Facebook sitzen. Denn eigentlich ist es gar kein Umweg: Digitale Signale können weltweit quasi ohne Zeitverzögerung empfangen werden. Und sie könne zur selben Zeit an ganz unterschiedlichen Orten zugestellt werden.

Ein Beispiel: Wenn Sie etwas in Deutschland bei Facebook kommentieren, ist dieser Kommentar im selben Augenblick in Australien, in Afrika oder in den USA sichtbar. Das Internet kennt keine Grenzen und kaum Zeitunterschiede.

“Auf deutschen Boden hat man sich an deutsches Recht zu halten.”  Das Prinzip klingt in diesem Zusammenhang einfach – nennen wir es – analog. In der digitalen Welt funktioniert es nicht.

Umso wichtiger ist die jetzt von der Bundeskanzlerin angekündigte Initiative, den Datenschutz europäisch und weltweit zu regeln. Genau das wird gebraucht. Doch Frau Merkel ist bescheiden genug, meint, das dauert noch und deshalb sei eine Einigung zwischen Frankreich und Deutschland schon ein echt guter Schritt. Und noch schwieriger sei es, auch die Geheimdienste mit einzubinden.

Nur die digitale Welt ist viel schneller: Neue Supercomputer werden bald Passwörter in wenigen Stunden oder gar Minuten knacken. Dann stehen technisch alle Daten offen. Auch Regierungsdaten. Deshalb ist schnelles Handeln angesagt.  Das Ziel muss heißen “Weltweit gelten weltweite Datenschutzregelungen. Und weltweit werden sie immer wieder überprüft”.

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

WLAN-Scanning: Bußgeld gegen Google festgesetzt

Der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit hat gegen Google Inc. wegen unzulässiger WLAN-Mitschnitte ein Bußgeld von 145.000 Euro verhängt. Wie es in einer Pressmitteilung heißt, fotografierte Google von 2008 bis 2010 nicht nur Straßen und Häuser für “Google Street View”, sondern erfasste zugleich auch WLAN in Reichweite der dabei verwendeten Fahrzeuge. Dabei wurden, wie Google auf Nachfrage des Datenschutzbeauftragten einräumte, auch Inhaltsdaten der erfassten unverschlüsselten WLAN-Anschlüsse aufgezeichnet.

Dies habe auch die Auswertung der von Google in Kopie zur Untersuchung des Sachverhalts zur Verfügung gestellten Daten ergeben. Unter den im Vorbeifahren erfassten Informationen befanden sich auch erhebliche Mengen an personenbezogenen Daten unterschiedlichster Qualität, hieß es. Beispielsweise seien E-Mails, Passwörter, Fotos und Chat-Protokolle erfasst worden.

Nachdem der Sachverhalt im Jahre 2010 aufgedeckt wurde, eröffnete die Staatsanwaltschaft Hamburg ein Ermittlungsverfahren, das im November 2012 eingestellt wurde. Der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit hat daraufhin den Vorgang im Rahmen eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens wieder aufgegriffen. Mit der rechtskräftigen Feststellung, dass Google Inc. fahrlässig unbefugt personenbezogene Daten erhoben und gespeichert habe, wurde dieses Verfahren jetzt abgeschlossen. Gleichzeitig wurde Google angewiesen, die unzulässig erhobenen Daten vollständig zu löschen. Der Vollzug der Löschung wurde dem Hamburgischen Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit gegenüber bestätigt.

Johannes Caspar, der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit: 

Nach meiner Einschätzung handelt es sich bei dem Sachverhalt um einen der größten bislang bekannt gewordenen Datenschutzverstöße überhaupt. Google hat sich bei der Aufklärung kooperativ gezeigt und öffentlich ein Fehlverhalten eingeräumt. Das Speichern personenbezogener Daten sei nie beabsichtigt gewesen. Dass es dennoch über einen solchen Zeitraum und in dem von uns festgestellten Umfang erfolgt ist, lässt dann nur den Schluss zu, dass die firmeninternen Kontrollmechanismen in erheblicher Weise versagt haben.

Fälle wie dieser zeigen deutlich, dass die Sanktionen, die das Bundesdatenschutzgesetz vorsieht, für die Ahndung derartig schwerwiegender Datenschutzverstöße bei weitem nicht ausreichen. Für multinationale Konzerne dürfte ein Bußgeld bis zu 150.000 Euro für fahrlässige, bis zu 300.000 Euro für vorsätzliche Verstöße regelmäßig keine abschreckende Wirkung erzielen. Dazu Caspar:

Solange Datenschutzverstöße nur zu Discount-Preisen geahndet werden können, ist die Durchsetzung des Datenschutzrechts in der digitalen Welt mit ihren hohen Missbrauchspotentialen kaum möglich. Die derzeit im Zuge der künftigen europäischen Datenschutzgrundverordnung diskutierte Regelung, die als maximales Bußgeld 2% des Jahresumsatzes des Unternehmens vorsieht, würde dagegen eine wirtschaftlich spürbare Ahndung von Datenschutzverletzungen ermöglichen.

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

Kommentar zum neuen Meldegesetz

MDR INFO, 27.02.13
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Die Einwohnermeldeämter dürfen persönliche Daten künftig nur noch weitergeben, wenn die betroffenen Bürger dem ausdrücklich zustimmen. Diesen Kompromiss beschloss der  Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat nach monatelangen Verhandlungen über das neue Melderecht.

Eigentlich hätte man es gleich so haben können, wie es jetzt der Kompromiss beim Meldegesetz regelt. Denn eigentlich sollte das neue Gesetz den Datenschutz für alle Einwohner Deutschlands verbessern. Doch es kam ganz anders.

Vorweg: Ich bin zufrieden mit dem, was jetzt beschlossen wurde. Aber: Ich bin extrem unzufrieden, wie es dazu kam.

Es war der Abend des 28. Juni des vergangenen Jahres. Deutschland spielte gegen Italien im Halbfinale der Fußball-EM – und verlor. Gleichzeitig tagte der Bundestag und beschloss vor leeren Bänken das neue Meldegesetz – und verlor auch. Nämlich ein Stück Glaubwürdigkeit.

Der eigentliche Entwurf sah vor, dass jeder Bürger zustimmen musste, sollte das Einwohnermeldeamt seine Adresse an Werbefirmen weitergegeben. Der nun beschlossene Text sah vor, dass Name, Straße und Wohnort jedes Deutschen von der Werbeindustrie allzeit abgerufen werden konnten.

Am nächsten morgen wachte Deutschland nicht nur aus dem sportlichen, sondern auch aus dem politischen Alptraum auf: Datenschützer waren entsetzt. Bundestagsabgeordnete verwundert.  Am Schluss sprach sich selbst die  Bundesregierung dafür aus, das Gesetz im Bundesrat zu stoppen.

Peinlich, aber wahr: Offenbar lasen sich einige Politiker erst jetzt richtig durch, was  beschlossen wurde.

Für mich ist das ein Armutszeugnis ohne gleichen. Politiker sind Volks-Vertreter und nicht Lobby-Vertreter. Konkret: Sie vertreten nicht die Werbewirtschaft, sondern die Bürger, deren private Daten kurz davor waren,  billig verscherbelt zu werden, ohne die Bürger selbst zu fragen.

Gut so, dass die Politik in letzter Minute die Notbremse gezogen hat. Und gut, dass es Deutschland nicht so erging, wie bei dem Fußballspiel in der bewussten Nacht. Diesmal hat Deutschland gewonnen.

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

Videoüberwachung: Können Computer Menschen und Gefahrensituationen erkennen?

MDR INFO, 21.12.12
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Überwachung per Video. Für Deutschlands Datenschützer ist dies kein Problem. Auch eine repräsentative ARD-Umfrage zeigt: 81 Prozent der Deutschen sind für einen weiteren Ausbau der Videoüberwachung – nur 18 Prozent sind dagegen. Doch was ist mit der Videoüberwachung wirklich möglich?

Videobilder lassen sich vergrößern, die Kamera kann näher an eine bestimmte Person heranzoomen. Und Videobilder sind digital, das heißt, sie lassen sich auf Computern beliebig weiterverarbeiten. Auch zu Fotos. Das ist ideal für eine Überwachung. Denn je mehr Kameras installiert sind, umso sinnvoller ist die Automatisierung der Überwachung. Erste Schritte dazu gibt es bereits. Bei Fotos existierte die Gesichtserkennung sogar schon im Privatbereich, wie  Alexander Nouak, Abteilungsleiter “Identifikation und Biometrie” beim Fraunhofer Institut, erklärt.

Das es auf Fotoaufnahmen möglich ist, zeigt uns beispielsweise ein Programm, wie iFoto von Apple, das natürlich in der Lage ist, die Gesichter, die man aufnimmt, Personen zuzuordnen.

Google und Facebook haben es mit der Gesichtserkennung ausprobiert. Bei Facebook verschwand sie wieder – es hatte Beschwerden der Nutzer gegeben. Google dagegen bietet in seinem Fotoverwaltungsprogramm Picasa weiterhin eine Gesichtserkennung für die Festplatte an. Wenn einem Gesicht auf einem Foto einmal ein Name zugeordnet wurde, können dann alle Fotos nach dieser Person abgesucht werden.

Was auf dem eigenen Computer möglich ist, funktioniert auch in Gebäuden, auf Straßen und unterwegs.

Das Bundeskriminalamt hat 2007 drei Feldversuche auf dem Hauptbahnhof in  Mainz unternommen, bei denen es darum ging, Menschen eindeutig zu identifizieren – allerdings auf Videos.  Doch diese Ergebnisse waren für Alexander Nouak nicht ausreichend.

Es kann eine gute Unterstützung sein, aber es kann sicher niemals so sein in absehbarer Zeit, dass man generell einen Platz überwachen kann und immer weiß, wer da jetzt gerade über den Platz geht.

Die Gründe sind ganz einfach: Auch der Computer fällt auf simple Verkleidungen rein.

Für die Erkennung braucht  man natürlich ein gewisses Maß an Kooperation. Wenn jemand nicht erkannt werden will, dann hat er alle Möglichkeiten. Er muss sich nur eine Mütze ziemlich weit ins Gesicht schieben, er klebt sich einen Bart auf, er nimmt dunkle Sonnenbrillen und wird einfach nicht mehr erkannt.

Die Forscher wollen wissen, wie ein Mensch einen anderen erkennt und das mit Computerprogrammen nachvollziehen. Auch die Suche nach herrenlosen  Koffern könnten Computer übernehmen. Alexander Nouak:

Natürlich ist es interessant nicht nur zu erkennen, hier ist herrenloses Gepäck, sondern dann auch eben in der Lage zu sein, auszuwerten, wer hat dieses Gepäckstück dahin gestellt und wo befindet der sich jetzt.

Das sind bislang zwar nur Forschungsprojekte, aber keine Illusionen. Die Forscher arbeiten an der Identifizierung von Personen auf Videos und es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese Identifizierungen auch wirklich effektiv funktionieren werden.

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

Sächsischer Datenschutzbeauftragter eröffnet Bußgeldverfahren gegen Unister

Der sächsische Datenschutzbeauftragte hat ein Bußgeldverfahren gegen das Leipziger Internet-Unternehmen Unister eingeleitet. Das bestätigte der stellvertretende Datenschutz-Beauftragte Bannasch dem MDR. Seine Behörde prüfe, ob Unister Meldepflichten verletzt habe. In einem solchen Fall würden bis zu 300.000 Euro Bußgeld fällig.

Bannasch zufolge sind private Datenverarbeiter verpflichtet, den Datenschutz und alle betroffenen Kunden zu informieren, wenn Dritte sich bei ihnen Bankdaten verschafft haben. Unister habe das allem Anschein nach versäumt.

(Quelle: MDR INFO)

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

Neue Vorwürfe gegen Unister

Es wird in dieser Woche schon zur Gewohnheit: Gerade war ich wieder live im Studio-Gespräch bei MDR INFO und habe von neuen Vorwürfen gegen das Leipziger Internet-Unternehmen Unister erzählt. Diesmal ging es um einen Prozess, den Unister gegen den Sächsischen Datenschutzbeauftragten in erster Instanz verloren hat.

Außerdem soll die Unister-Holding in acht Unternehmen keinen rechtmäßigen Datenschutzbeauftragten haben. Gegen diese Feststellung klagt das Unternehmen allerdings derzeit vor dem Verwaltungsgericht.

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

Verbraucherzentrale klagt gegen Facebook

MDR INFO, 10.12.12
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Klagen über Facebook gibt es genug. Klagen gegen Facebook weniger. Nun klagt die Verbraucherzentrale, der Bundesverband in Berlin. Es geht – wie so oft – um mangelnden Datenschutz.

Die Verbraucherzentrale hatte Facebook bereits abgemahnt. Das Ergebnis: Kein “Gefällt mir”-Klick, sondern viel schlimmer: Keinerlei Reaktion. Nur wurde Klage eingereicht gegen Facebook in Irland – denn dort sitzt die Europazentrale des Anbieters. Konkret geht es um das bei Facebook vorhandene App-Zentrum. Hier gibt es Spiele und sonstige Zusatzfunktionen, die von Fremdfirmen programmiert und betrieben werden. Alles natürlich mit der Erlaubnis und mit viel Hilfe von Facebook.  Aus diesem App-Zentrum wandern Daten der Facebook-Nutzer hinüber, zu den Fremd-Firmen, ohne das die Nutzer ausreichend informiert werden – findet zumindest  Carola Elbrecht vom Bundesverband der Verbraucherzentralen:

Standardmäßig steht hier immer, dass allgemeine Informationen weitergegeben werden an den Betreiber. Dann oftmals auch die E-Mailadresse, irgendwelche Statusmeldungen, aber auch Spielstände und mehr. Also, ist noch völlig offen formuliert. Wir wissen auch nicht, was das heißt, wenn noch mehr Daten weitergegeben werden. Da ist natürlich völlig intransparent.

MDR INFO probierte dies einmal aus. Die eigene E-Mailadresse wird offenbar standardmäßig an die Fremdanbieter weitergeleitet. Außerdem  – so wörtlich – “allgemeine Informationen”. Ein Klick auf das dahinter liegende Fragezeichen führt auf eine neue Seite namens “Datenverwendungsrichtlichtlinie“. Hier heißt es – und es wird im Facebook-Jargon sofort gedutzt -, dass die Anbieter  „unter anderem deine Nutzerkennnummer sowie die Nutzerkennnummern deiner Freunde und deine öffentlichen Informationen“ erhalten. Mit anderen Worten: In dem Moment gibt man nicht nur seine eigene Identität Preis, sondern auch die seiner Freunde. Im Zusammengang mit der E-Mailadresse, die oftmals den tatsächlichen Namen beinhaltet, erhalten die Spieleanbieter damit ungeahnte Möglichkeiten.

Es ist durchaus möglich, dass dann aus den unterschiedlichsten Quellen dann eben diese Daten zusammengeführt werden. Dann bin ich nicht nur Lieschen, auf Facebook, sondern heiße Lieschen Müller. Mann kann dann schnell darauf schließen, dass ich seit fünf Jahren einen festen Freund habe, 1980 geboren wurde und Krimis gerne lese. Und dann wird’s natürlich schon datenschutzrechtlich problematisch.

Facebook schickte MDR INFO lediglich eine schriftliche Stellungnahme. Darin zeigte man sich erstaunt darüber, dass die Verbraucherzentrale öffentliche Gelder nutze, um rechtliche Schritte zu kleinen Detailfragen einzuleiten. Außerdem wird auf die bereits erwähnte “Datenverwendungsrichtlinie” hingewiesen.

Wir stellen umfassend transparente Informationen und Kontrollmöglichkeiten hinsichtlich der Frage, wie Applikationen auf Facebook funktionieren, zur Verfügung und erklären dies ausführlich in unserer Datenverwendungsrichtlinie.

Mit keinem weiteren Wort erklärt Facebook allerdings, weshalb die Vorwürfe der Verbraucherzentrale über die schlechte Information unzutreffend seien.

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

Bitterfeld-Wolfen: Datenschutz geht zur Schule

MDR INFO, 06.12.12
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In Bitterfeld setzt das Europagymnasium “Walter Rathenau” auf eine neue Ausbildung im Datenschutz für alle Schüler. Das Projekt “Datenschutz geht in die Schule” läuft zur Zeit in Zusammenarbeit mit dem Stadtwerken Bitterfeld-Wolfen.

Tatort: Internet, Tatumfeld: Schule, Tatvorgang: Cybermobbing – die üble Nachrede im Internet.  Florian Fiedler ist Schulsprecher am Europagymnasium Bitterfeld. Er hatte sich im sozialen Netzwerk “Schüler CC” ein Profil angelegt und dann passierte es.

Zwei Tage später hat dann irgendjemand mit irgendeinem Bild, was er von mir hatte, so ein gleiches Profil, Fakeprofil nennt sich das, von mir erstellt und ist dann damit irgendwo im Internet rumgegangen. Das war natürlich extrem scheiße, um das mal so auszudrücken. Man kann nichts dagegen machen. Keiner weiß, wer ist jetzt der richtige und wer nicht.

Idenditätsklau wird so etwas auch genannt. Und davon kann seine Schulsprecherkollegin Ann-Christin Spikale ebenfalls erzählen.

Auch jemand in meinem Alter, der hat eigentlich nur ne abfällige Bemerkung über jemanden gemacht, und schon wurde ein Fakeprofil erstellt. Da wurde das Bild verunstaltet, auch irgendwelche Bemerkungen in diesem Internetprofil getätigt, die eigentlich nicht der Wahrheit entsprachen, das war schon ziemlich krass.

Noch schlimmer ist es, wenn Freunde untereinander ihre Passwörter für Facebook und Co. austauschen. Nach manch einer geplatzten Freundschaft wurde dann sogar das richtige Profil vom ehemaligen Freund geradezu gekapert und verändert.

Für Schulleiter Eckardt Appenrodt sind das ganz wichtige Probleme, die über die Schule hinaus weit in das private Umfeld seiner Schüler reinreichen. Doch für Schulen ist es mit Lehrplänen, die zehn Jahre alt sind, schwer, den Schülern hier etwas Neues beizubringen.

Die Hauptprobleme sind ganz einfach, dass wir einen technischen Fortschritt heute sehen bei Schülern, bei technischen Geräten, bei sozialen Netzwerken, die uns als Schulen eigentlich überfordern.

Deshalb läuft an seiner Schule jetzt ein dreiwöchiges Projekt. Alle Schüler, Lehrer und sogar viele Eltern am Europagymnasium werden durch einen Profi in Sachen „Datenschutz“ geschult. Möglich wurde dieses durch Hilfe von außen. Die  Stadtwerke Bitterfeld-Wolfen stellen ihren externen Datenschutzbeauftragten zur Verfügung. Seine Unterrichtstunde ist unterhaltsam, insbesondere, wenn er plötzlich Namen der Schüler aufruft, ihnen erzählt, wann sie Geburtstag haben, was sie am Vortag erlebten und mit wem sie noch so befreundet sind. Volltreffer.  All sein Wissen hat er aus Netzwerken. Für den Datenschützer Thomas Glauer ist es eine wichtige Aufgabe.

Also ich, wie auch manche meiner Kollegen, wir machen dieses Thema „Datenschutz geht in die Schule“, deswegen, weil wir der Meinung sind, das es wichtig. Das die Kinder schlicht und ergreifend informiert werden müssen, was für Risiken, aber auch was für Chancen das draußen im Internet und bei den Neuen Medien lauern.

Eine Privatinitiative, die im wahrsten Sinne des Wortes Schule macht. Bundesweit sind inzwischen 40 andere Datenschützer zum Teil in ihrer Freizeit in Schulen unterwegs.

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

Datenschutz in Schulen

Ein Schuldirektor sagte mir heute, die staatlichen Bildungseinrichtungen sind überfordert, den Schülern genug Informationen zum Umgang mit Daten im Internet zu liefern. Wie seine Schule einen neuen und ganz besonderen Weg zum Thema “Datenschutz” geht, erzähle ich morgen bei MDR INFO

Jetzt produziere ich den Beitrag ersteinmal.

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de