Facebook schafft die Mitsprache wieder ab

Facebook schafft die Mitsprache der Nutzer bei wichtigen Veränderungen wieder ab. In eine Mail, die an alle User verschickt wurde, heißt es:

Wir schätzen das von dir während unserer Kommentarphase erhaltene Feedback sehr, haben allerdings festgestellt, dass der Abstimmungsmechanismus ein System geschaffen hat, das die Quantität der Kommentare über deren Qualität stellt.

Über Veränderungen werde man künftig auf der Seite https://www.facebook.com/fbsitegovernance informiert. Um das Erscheinen neuer Texte mitzubekommen, müsse man dafür den dortigen “Gefällt mir”-Button klicken.

Am Nachmittag wurde ich dazu bei MDR INFO ausgefragt.

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

“Hoax” verbreitet Falschinformationen auf Facebook

MDR INFO, 13.11.12
Wer bei Facebook unterwegs ist, der ist mit Sicherheit bereits über einen Eintrag gestolpert, der in den letzten Tagen wie wild geteilt, kopiert und weiterverbreitet wird. Darin geht es um die Allgemeinen Geschäfstbedingungen, kurz: AGB, bei Facebook – und um das, was man dagegen machen. 

Aufgrund der neuen AGB’s in Facebook widerspreche ich hiermit der kommerziellen Nutzung meiner persönlichen Daten. Das Copyright meiner Profilbilder liegt ausschließlich bei mir. Die kommerzielle Nutzung bedarf meiner schriftlichen Zustimmung.

So oder ähnlich lautet der Text, der inzwischen unzählige Male kopiert und weiterverbreitet wurde. Um es kurz zu machen: Computerfachleute bezeichnen dieses Phänomen als Hoax. Eine Warnmeldung, die gut klingt, aber eigentlich sinnlos ist.

Medienanwalt Jens Ferner:

Juristisch bringt das rein gar nichts. Sie können natürlich zum Beispiel Widersprüche einlegen aus verschiedensten Gründen. Aber damit die überhaupt irgendeine Wirkung erreichen können, muss derjenige, demgegenüber man die ausüben will, ja überhaupt davon Kenntnis erlangen. Da schreibe ich etwas auf meiner Seite, in meinem Bereich und ich kann nicht erwarten, bei wer weiß wie vielen Facebook-Nutzern, dass Facebook da alle Nachrichten mitliest.

Auch inhaltlich liegt die der Text falsch. So neu sind die Facebook-Veränderungen nicht mehr – und erstmals in der Geschichte des Konzerns hatten die Mitglieder sogar vorher mitdiskutieren können.

Außerdem liegt das juristische Problem nicht bei den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, sondern in einem ganz anderen Bereich.

Hier geht es nicht einmal einfach um AGB, sondern es geht darum, dass Sie mal irgendwann eine datenschutzrechtliche Einwilligung erteilt haben, dass man mit ihren Daten bestimmte Dinge tun kann. So eine datenschutzrechtliche Einwilligung kann regelmäßig, losgelöst von AGB, jederzeit widerrufen werden. Das eröffnet aber auch der Gegenseite die Möglichkeit, den Vertrag zu kündigen. Mit unter auch sofort.

Mit anderen Worten: Wer Facebook das Recht entzieht seine Fotos zu nutzen, muss mit einem Rauswurf rechnen. Denn Facebook ist auf die Inhalte der Nutzer angewiesen – und das ist in den Augen des Rechtsanwaltes logisch und nicht verwerflich:

Das man diesen Dienst quasi kostenlos nutzt, aber auch irgendwo Einnahmen generiet werden müssen, liegt auf der Hand.

Wer Facebook nicht mit seinen Inhalten Geld verdienen lassen möchte und diese dann löscht hat Pech. Sie sind meist kopiert oder geteilt worden. Deshalb der simple Rat des Juristen Jens Ferner:

Grundsätzlich gilt: Denken Sie immer – ausnahmslos – darüber nach, bevor sie etwas ins Netz stellen.

Denn: Was nicht veröffentlicht wird, kann nicht kopiert, verlinkt oder geklaut werden.

Weiterführende Links:

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

Microsofts Surface hat Probleme mit einer Naht

MDR INFO, 13.11.12

Ende Oktober brachte Microsoft sein neues Betriebssystem Windwos 8 auf den Markt. Gleichzeitig erschien auch das Eingebau-Tablet Surface. Doch mit letzterem haben einige Kunden nicht nur Freude. 

Surface (Foto: Microsoft, Newsroom)

Im US-Städtchen Redmont wird man sich gewaltig ärgern. Hier sitzt Microsoft. Und was da nun durch Kunden bekannt wird, klingt schon fast wie ein Witz. 

Doch schnell die Vorgeschichte: Apple und  Google, die großen Gegenspieler auf dem Markt, hatten bislang das, was Microsoft fehlte: Nämlich einen Tablet-PC – bei vielen schon einfach durchweg iPad genannt, egal von welchem Hersteller er kommt. Diese flachen und leichten Geräte hatten bislang Computer, Bildschirm und Tastatur in sich vereint – der sogenannte Touch Screen. Sie sind so ziemlich das modernste und hippeste im Computergeschäft. Microsoft zog nun nach und bot etwas an, was seinerseits noch nie da war.  Das Surface: Es kann das, was die anderen auch können, nur angeblich besser,  es läuft mit Windows 8 und hat eine Schutzverkleidung, die, wenn man sie öffnet, zum Ständer für den Bildschirm und zur Tastatur für die Finger wird. Ein gewaltiger Fortschritt, dieses sogenannte Touch Cover. Denn irgendwie fehlt bei der Konkurrenz, wie beim iPad, die richtige Tastatur und auf dem Bildschirm ist das Tippen sehr umständlich.

Und nun das:

Ausgerechnet auf der Microsoft-eigenen Homepage “Surface Forum” beklagen sich die Nutzer. Der Nutzer Brian beschwerte sich vor ein paar Tagen als erster – andere folgten.

Mein Touch Cover fängt in der Mitte an zu pellen. Es röppelt einfach auf.

Wyejoe ergänzt:

Meines auch. Genau in der Mitte auf der Naht reißt es schnell durch. Ich werde es austauschen lassen. Und das Microsoft-Logo blättert ab.

Surfacer kritisiert auch die Verarbeitung, betont aber, dass er mit dem Gerät selbst und der Technik sehr zu frieden ist.

Und Microsoft? Vor dem Mikrofon konnte – oder wollte? – heute MDR INFO niemand etwas sagen. Nur schriftlich hieß es:

Leider ist momentan kein Sprecher zu dem Thema verfügbar. Wir können auch nur so viel sagen, dass wir die Touch Cover, die nicht in Ordnung sind, ersetzen.

Für den Verbraucher also eigentlich kein Problem – für Microsoft jedoch ein großes Imageproblem, denn: Es ist der erste richtige Eigenbau. Und ausgerechnet bei einer simplen Verbindung wie einer Naht, scheint das Hochtechnologie-Gerät zu patzen. Microsoft-Chef Steve Ballmer, zur Zeit auf Werbetour für Windows 8, sagte der französichen Zeitung “Le Parisien”, der derzeitge Verkaufsstart sei  “bescheiden”. Das mag daran liegen, dass man die Surface-Geräte zur Zeit nirgendswo bekommt – außer auf der Homepage des Konzerns. In Deutschland wird in den Häusern einer Hotelkette zusätzlich noch das Angucken und Anfassen der Geräte ermöglicht. Doch die Sorgen in Redmont dürften zunehmen.

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

Google: Digitales Museum zur Maueröffnung gestartet

MDR INFO, 09.11.12
1989 öffnete sich am Abend dieses Tage die Mauer in Berlin – und damit die Grenze zwischen den beiden Teilen Deutschlands.  Der Internetkonzern Google erinnert daran und an die friedliche Revolution im Vorfeld des Tages – mit einem Museum. Aber einem sehr speziellen. 

Präsentation des Google-Museums
(Foto: Voß)

Es gibt viele Dokumente über diese Zeit. Zuviele, um sie alle in einem richtigen – nicht digitalen – Museum auszustellen. Im Internet dagegen ist viel Platz. Der Fall des Eisernen Vorhangs. Unter diesem Titel startet zum 23. Jahrestag der Maueröffnung bei Google ein digitales Museum. Es hat 13 Ausstellungen, von denen fünf in Deutschland spielen. Die Idee dahinter ist ganz einfach:  Google bietet den Historikern die Plattform und die technischen Möglichkeiten. Wieland Holfelder ist Leiter des Google-Entwicklungszentrums in München – für ihn ist das Museum eine faszinierende Idee, die auf spezielle Interessen von Google-Mitarbeitern zurückgeht. Google hat dafür die sogenannte 20-Prozent-Regelung – eine Zeit, wo die Mitarbeiter an eigenen kreativen Ideen arbeiten.

20 Prozent heißt bei uns, dass Mitarbeiter, Entwickler, Ingenieure, 20 Prozent ihrer Arbeitszeit dafür einsetzen können, um eben solche Projekte anzugehen, und dann  komme so tolle Sachen dabei raus. Das kann keine Managemententscheidung jemals hervorbringen. Die Kreativität, die die Mitarbeiter hier mitbringen, um solche Dinge zu schaffen, ist an der Stelle sehr, sehr schön.

Wer die Seite im Internet besucht, findet einen Zeitstrahl. Dieser beginnt 1980 mit der polnischen Gewerkschaft Solidanosc, zeigt dann Bilder der Teilung in Deutschland und 1989 den Fall der Mauer. Zu sehen sind Fotos beispielsweise von den Demonstrationen in Berlin und Leipzig, aber auch zahlreiche Dokumente und Video. Der Zeitstrahl endet 1990 unter dem Titel „Wendejahre“.
Für die wissenschaftliche Aufarbeitung der Ausstellung hat sich Google Partner gesucht, beispielsweise die Robert-Havemann-Gesellschaft. Für Tom Sello, der das Projekt dort leitet, ist es wichtig jetzt viele Dokumente zeigen zu können, die sonst kaum einer sieht.

Das sind Flugblätter, das sind Aufrufe, das sind Gedächtnisprotokolle, Schilderungen von den Erlebnissen, von Menschen, wie sie die in dieser Zeit hatten über den Einsatz von Sicherheitskräften beispielsweise, und das sind Fotos, die es nicht so oft gibt, weil man konnte nicht immer fotografieren und nicht jeder hat sich getraut, diese Bilder zu machen.

Ausblick aus dem Tagungsraum auf die Mauer in der Bernauer Straße (Foto: Voß)

Auch das Berliner DDR-Museum ist wissenschaftlicher Begleiter des Projektes Ist ein digitales Museum keine Konkurrenz für das herkömmliche Museum? Robert Rückel, Direktor des DDR-Museums, sieht das nicht so. Für ihn ist die Zusammenarbeit mit Google eine Erweiterung des Ausstellungsmöglichkeiten, keine Konkurrenz.

Der große Wert, den Ausstellungen, den Musen haben, der ist natürlich das Original.  Das Original, dass man dort sehen kann. Bei uns kann man viele Dinge anfassen, da kann man selbst aktiv werden, es ist also auch ein Event. Ich glaube, das sind die zwei Punkte: das Original, was wir da haben im Museum, und das Event, was man während des Museumsbesuches hat. Auch das Fernsehen hat Kino nicht umgebracht, nur verändert.

Google nutzt übrigens für das Museum bereits vorhandene Technologien, die eigentlich ganz anders eingesetzt werden. Beispielsweise bei Streetview, dem in Deutschland umstrittenen Projekt, bei dem Straßenzüge fotografiert werden.

Der Eiserne Vorhang und sein Geschichte ist nur ein Thema im digitalen Museum von Google. Es soll noch mehr geben und dabei setzt das Unternehmen auf die Zusammenarbeit mit weiteren realen Museen.

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

Steve Ballmer und die Schlaumäuse

Das ausgerechnet der oberste Chef ein regionales Produkt von Microsoft vorstellt, ist ungewöhnlich. Steve Ballmer kam tatsächlich für eine halbe Stunde nach Berlin. Kurzer Auftritt und dann ging es schnell weiter. Kein Kontakt  zu den Anwesenden. Das mag daran liegen, dass sein eigentliches Anliegen Windows 8 heißt. Gestern hat er es in London vorgestellt. Heute Vormittag vor Wirtschaftsleute in Berlin. Und dann eben am Nachmittag kurz vor Journalisten und guten Kunden in der Humboldt-Box. Viel Neues gab es nicht zu hören. Und Windows 8 und Schlaumäuse konnte ich ja bereits vorstellen.

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

Schutz gegen Tracking im Internet

MDR INFO, 06.11.12
„Personen, die diesen Gegenstand gekauft haben, haben auch das gekauft.“ – Diesen Satz haben Sie sicherlich schon einmal gelesen, wenn Sie im Internet unterwegs waren. Das mag hilfreich sein. Aber es kann auch stören, nämlich genau dann, wenn daraus eine regelrechte Verfolgung wird, das sogenannte Tracking. 

Beim Surfen im Internet hinterlässt jeder Nutzer Spuren. Einfaches Beispiel: Sie interessieren sich für einen bestimmten Turnschuh und suchen die unterschiedlichen Angebote ab. Selbst wenn Sie Tage später andere Seiten besuchen, dann springt Ihnen plötzlich eine Werbung mit „Ihrem“ Turnschuh entgegen. Beim Surfen haben Sie nicht nur Spuren hinterlassen, diese wurden sogar abgespeichert – und zwar vermutlich auf Ihrem eigenen Computer. Das ganze nennt sich Tracking und dagegen wollen Microsoft und das Fraunhofer Institut ab morgen gemeinsam vorgehen.

Frank Maenz ist Produkt-Manager Internet Explorer bei Microsoft und kennt das Problem nur allzu gut:

Es gibt unterschiedlichste Tracking-Methoden und das Fraunhofer-Institut hat jetzt schon allein in Deutschland unter den Top 500 Webseiten über 470 Tracker erkannt.

Mit anderen Worten: Dem Tracking entkommt eigentlich niemand. Das Gefährliche dabei ist, sollten auf einer Seite beispielsweise Name und Adresse hinterlassen werden, dass dann Informationen über das Surfverhalten mit der Identität einer Person verknüpft werden. Dann weiß der Auftraggeber genau, welche Themen Sie interessieren und wo Sie gestern im Internet waren.

Microsoft ist mit seinem Internet Explorer einer der großen Browser-Anbieter im Internet. Browser, das sind die Programme, mit denen man im Internet surft. Warum jetzt die Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut beim Erstellen der sogenannten Tracking-Schutz-Liste?

Microsoft ist auch im Werbemarkt Teilnehmer. Also, wir verkaufen Werbung. Und wenn wir jetzt als Browser-Hersteller und als Werbeantbietender so eine Liste hinzufügen würden oder selber machen würden, könnte es natürlich sein, dass man sagt, Microsoft ist da nicht ganz unabhängig. Andererseits: Fraunhofer ist für uns wichtig als deutscher Partner, weil wir in der Marktforschung gerade festgestellt haben, dass für deutsche Kunden Referenzen aus Deutschland zählen.

Die Tracking-Schutz-Liste lässt sich ab morgen kostenfrei aus dem Internet herunterladen. Wer sie nutzt, kann trotzdem weiterhin alle Seiten lesen, nur werden diese daran gehindert, Tracking-Spuren zu hinterlassen. Damit niemand auf die Idee kommt, dass das Werbung ist, hat das Fraunhofer-Institut Microsoft allerdings Auflagen gemacht, wie Frank Maenz erläutert.

Ganz wichtig ist uns auch, dass wir diese Projekt mit Fraunhofer erstellt haben, Fraunhofer aber von vornherein auch gesagt hat, dass diese Liste auch anderen Browser-Herstellern zur Verfügung steht, und dieses Wissen, was da über ein Jahr lang erabeitet wurde, und auch in Zukunft gepflegt wird, anderen Browser-Kunden anbietet.

Die Liste ist also offen für alle. Und sie wird auch für alle anderen Nutzer durch das Fraunhofer-Institut aktuell gehalten.

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

Google stellt Hintergrundbilder ein

So, wie hier oben zu sehen, sah meine Google-Suchseite bis heute früh aus. Ich hatte sie mit einem Hintergrundfoto personalisiert. Google teilte mir allerdings in einen kleinen Fenster unten links folgendes mit:

Wir sind gerade dabei, die Seite der Google-Suche zu optimieren und einfacher zu gestalten. Personalisierte Hintergrundbilder können leider nicht mehr unterstützt werden. Deshalb werden Ihre Hintergrundbilder ab 16. November 2012 nicht mehr angezeigt. Klicken Sie auf Entfernen, um die Verwendung Ihres Hintergrundbildes zu beenden. Ihr aktuelles Hintergrundbild und Ihre Picasa-Webalben stehen Ihnen weiterhin zur Verfügung. 

Nachdem ich dann auf “Entfernen” drückte, hatte ich wieder die schlichte Google-Sichtweise (siehe unten) auf die Dinge.

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de