Angriff über Fotos bei Facebook

Seit einigen Tagen beobachten die G Data SecurityLabs im sozialen Netzwerk Facebook eine Kampagne, die es sich zum Ziel setzt, möglichst viele Facebook-Nutzer mit Schadcode zu infizieren. Massenhaft posten die Täter in der Community Links zu vermeintlichen Fotos. Statt des versprochenen Bildes, findet im Hintergrund eine Infektion des Computers statt. Anschließend versuchen die Täter an alle Kontakte des Facebook-Nutzers einen Hyperlink zum Datei-Hoster Sendspace zu senden, um so weitere Rechner per Mausklick zu infizieren.

Getarnter Schadcode

Die angezeigte URL gibt keinerlei Information darüber, welche Art von Datei sich dahinter verbirgt, sie wirkt zufällig generiert. Nach dem Herunterladen erweckt die Datei zunächst den Anschein, ein Bild zu sein – zumindest suggeriert dies das angezeigte Icon.

Ein Blick auf die wahre Dateierweiterung zeigt jedoch, dass es sich tatsächlich um einen Bildschirmschoner handelt, welcher durch die Dateiendung .SCR gekennzeichnet ist und eine ausführbare Datei ist. Die Dateierweiterung wird jedoch in den gängigen Microsoft Windows Versionen nicht automatisch angezeigt und so werden ahnungslose Nutzer durch diese Täuschung schnell dazu verleitet, das vermeintliche Bild anzuklicken.

Beim Doppelklick auf die Datei bekommt der Nutzer natürlich kein Bild zu sehen; es passiert augenscheinlich gar nichts. Doch ein Blick in den Prozessmonitor verrät, dass sehr wohl etwas vor sich geht: Die unscheinbare .SCR-Datei entpuppt sich als ausführbare Schadcode-Datei. Die Angreifer haben ihren Schadcode von .EXE in .SCR umbenannt, um neben dem Icon eine weitere Tarnung zu erreichen – diese Umbenennung hat keinen negativen Einfluss auf die Ausführbarkeit der Datei.

GData erkennt die beschriebene Malware als Backdoor.

Die Schadfunktionen

Die aktuelle Schaddatei hat einerseits Bot-Funktionalität; sie hat das IRC Protokoll eingebettet, um sich mit vorgegebenen Log-in-Daten automatisch in einen festgelegten Chatraum einzuklinken und dort auf Befehle und Updates des Botmasters zu warten.

Andererseits besitzt die Datei auch Eigenschaften eines Wurms. Die Wurmfunktionalität ist für das Verbreiten der Schaddatei eingebaut worden. Auch wenn die Basiseigenschaften eines Wurms im Programmcode vorbereitet sind, sind noch keine expliziten Aktionen und Ziele implementiert. Diese können aber durch die IRC-Anbindung jederzeit nachgeladen werden.

Aber damit nicht genug: Die Datei verfügt außerdem über die Möglichkeit schädliche autorun.inf Files zu erstellen und sie auf portable Geräte (USB Stick, Multimedia Festplatte) zu spielen.

Im Programmcode wurde kein Code identifiziert, der direkt auf eine Weiterverbreitung der Schadcode-Datei, bzw. der Links dazu, in Facebook hinweist. Da es sich aber um einen IRC-basierten Bot handelt, kann dieser jederzeit Befehle dazu erhalten oder neue Schaddateien herunterladen, die diese Aufgabe erledigen.

Seit Beginn der Kampagne wurde die Datei mindestens einmal einem Update unterzogen und mit veränderten Packern komplizierter gepackt, um das Erkennen des Files mittels AV- Software zu erschweren. Außerdem wurde der Dateiname geändert.
Die Angreifer können jederzeit einen anderen Datei-Hoster für die Verteilung ihrer Schaddateien benutzen und auch die Schaddatei selbst können sie jederzeit austauschen, um die Opfer mit einer anderen Art von Malware zu infizieren.

Facebook Tipps

  • Benutzen Sie eine aktuelle und umfassende Sicherheitslösung mit einem Virenscanner, Firewall, Web- und Echtzeitschutz. Ein Spam-Filter, als Schutz vor ungewollten Spam-Mails ist ebenfalls sinnvoll.
  • Lassen Sie sich die Dateierweiterungen in ihrem Microsoft Windows Betriebssystem anzeigen. Anleitungen für die verschiedenen Versionen und auch ein Fix-it gibt es auf der Microsoft Webseite „Anzeigen oder Ausblenden von Dateierweiterungen im Windows-Explorer“.
  • Links und Dateianhänge in E-Mails und auch in sozialen Netzwerken sollten nicht unbedacht angeklickt werden. Die Dateien oder die Webseite könnten mit Schadcode verseucht sein. Wenn eine Nachricht eines Freundes merkwürdig erscheint, sollten Anwender sich rückversichern, ob diese echt ist.
  • Anwender sollten nicht gleichzeitig surfen, wenn sie bei Diensten, wie sozialen Netzwerken angemeldet sind. Cyber-Betrüger könnten die Sitzung manipulieren.
  • Nach der Nutzung von Diensten, wie sozialen Netzwerken sollten sich Anwender immer abmelden. Dies gilt gerade dann, wenn ein öffentlicher Computer, z.B. in einer Bibliothek genutzt wird, aber auch am heimischen Rechner ist es sinnvoll.

(Quelle: G Data, Pressemitteilung)

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

BSI: Microsoft Explorer hat kritische Sicherheitslücke

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) weist Internetnutzer auf eine bisher unbekannte, kritische Schwachstelle im Browser Microsoft Internet Explorer hin. Betroffen seien IT-Systeme, die den Internet Explorer in den Versionen 7 oder 8 unter dem Betriebssystem Microsoft Windows XP, sowie in den Versionen 8 und 9 unter Microsoft Windows 7 verwenden. Die Schwachstelle werden bereits in gezielten Angriffen ausgenutzt. Zudem sei der Angriffscode auch frei im Internet verfügbar, sodass mit einer breitflächigen Ausnutzung rasch zu rechnen ist. Um die Schwachstelle auszunutzen reiche es laut BSI aus, den Internetnutzer auf eine präparierte Webseite zu locken. Beim Anzeigen dieser Webseite könne dann durch Ausnutzen der Schwachstelle beliebiger Code auf dem betroffenen System mit den Rechten des Nutzers ausgeführt werden.

Ein Sicherheitsupdate des Herstellers ist derzeit nicht verfügbar. Daher empfiehlt das BSI allen Nutzern des Internet Explorers, so lange einen alternativen Browser für die Internetnutzung zu verwenden, bis der Hersteller ein Sicherheitsupdate zur Verfügung gestellt hat. Das BSI steht nach eigenen Angaben bezüglich einer Lösung zur Schließung der Schwachstelle mit Microsoft in Verbindung. Sobald die Sicherheitslücke geschlossen ist, werde das BSI darüber informieren.

Microsoft empfiehlt  Internet Explorer 10

Laut Microsoft ist der neuere Internet Explorer 10 nicht betroffen. Allerdings seien viele Internet-Nutzer mi früheren Software-Versionen unterwegs. Bevor die Lücke geschlossen werde, empfiehlt Microsoft Änderungen der Sicherheitseinstellung und die Installation der Software-Komponente EMET (Enhanced Mitigation Experience Toolkit).

Anleitung zum Ausnutzen der Lücke bereits in Internet

Fachleute und Skeptiker können sich im Internet bereits anschauen, wie die Sicherheitslücke genutzt wird. In einem Post gibt es eine Anleitung und Screenshots.

Im Gespräch bei MDR INFO

Mein Beitrag zur Sicherheitslücke bei MDR INFO gibt es hier.

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

Kommentar zum sogenannten Mohammed-Video

MDR INFO, 17.09.12
 
Ein Amateur-Video, welches den Propheten Mohammed beleidigt, hat zu Tumulten und Protesten in der arabischen Welt geführt. Mehrere Menschen starben. Botschaften wurden zerstört. In Deutschland hat die rechtspopulistische Splitterpartei “Pro Deutschland” eine Diskussion über ein Verbot des Videos „Die Unschuld der Muslime“ ausgelöst. Die Partei will es öffentlich aufführen und hat es bereits auf ihrer Internetseite Veröffentlicht. 

Deutschland ist eine Demokratie. Europa ist eine demokratische Staaten-Union. Das unterscheidet uns von vielen Ländern, in denen extremistische Muslime aus Protest gegen ein Amateur-Video Botschaften überfallen, Menschen ermorden, Gebäude niederbrennen und mit Gewalt ihre Meinung durchsetzen. 

Muss Deutschland deshalb jetzt dieses Video verbieten, weil Gewalt droht? Dessen Aufführung verhindern? Google und andere dazu bringen, das Video im Internet zu löschen?

Ich denke: Nein.

Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit sind für mich absolut wichtige Bestandteile einer Demokratie. Aber sie setzen auch gegenseitigen Respekt voraus. Respekt bedeutet nicht, dass man mit Andersdenkenden einverstanden ist. Sehr wohl kann man eine andere Meinung haben. Eine Demokratie nur mit einer Meinung wäre keine richtige Demokratie, Demokratie braucht Meinungsvielfalt.

Und genau diese Meinungsvielfalt – und damit in der Konsequenz auch die Religionsfreiheit – wird derzeit angegriffen. Der Mob geht spontan – oder vielleicht auch gut geplant – auf die Straße, prügelt, brandschatzt und mordet. Damit soll Angst erzeugt werden. Damit sollen wir in den sogenannten westlichen Demokratien zum Zittern gebracht werden. Nach dem Motto: Eine Meinung gilt, die des Mobs auf der Straße – der Rest wird niedergemacht.

Nein, das darf nicht passieren in Deutschland. Wenn die Demokratie aggressiven Minderheiten nachgibt, dann ist das der Anfang vom Ende der Demokratie, dem Ende der Meinungsfreiheit und dem Ende der Religionsfreiheit.

Religionsfreiheit bedeutet eben auch Schutz aller Religionen. Darüber entscheidet hierzulande aber nicht der Mob auf der Straßen, sondern die Gerichte. Und die könne auch durch Muslime oder deren Glaubensgemeinschaften angerufen werden.

Paragraph 166 im deutschen Strafgesetzbuch regelt das. Da heißt es unter anderem „wer  religiöse oder weltanschauliche Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

Die Video-Produzenten sitzen in den USA. Für sie  mag dieses deutsche Gesetz egal sein. Wer aber das Video in Deutschland öffentlich aufführt und dabei bewusst in Kauf nimmt, Muslime zu provozieren, gerät mit Paragraph 166 in Konflikt. Die Demokratie in Deutschland schützt auch die Rechte der Muslime.

Besser wäre es, nicht auf nur auf Recht und die Paragraphen zu setzen, sondern frewillig darauf zu verzichten, das Video öffentlich zu zeigen. Was jetzt gebraucht wird, sind Ruhe, Besonnenheit und Respekt vor Andersdenkenden und Andersgläubigen.

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

Soziale Netzwerke können Wahlen beeinflussen

MDR INFO, 13.09.12

Es gibt wohl kaum einen Konzern, der einen solchen Einfluss auf Menschen weltweit hat, wie Facebook. In dem sozialen Netzwerk tummeln sich derzeit 950 Millionen aktive Nutzer. Das sind 29 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Doch nicht der Konzern selbst übt den Einfluss aus, sondern die Mitglieder untereinander, die sogenannten Freunde, mit Hilfe des Netzwerkes.

Ein Experiment, dessen Ergebnisse jetzt veröffentlicht wurden, macht es deutlich: Eine einzige Nachricht bei Facebook kann das Wahlverhalten von Tausenden von Menschen und ihren Freunden entscheidend beeinflussen.

Die Forscher hatten dafür zu den US-Kongresswahlen 2010 an 61 Millionen Nutzer eine Meldung geschickt. Darin wurden diese aufgefordert, zur Wahl zu gehen. Zudem
enthielt der Text einen anklickbaren Button mit der Aufschrift “Ich habe gewählt”.

Ein Teil der Empfänger bekam zusätzlich noch die Information, welche Menschen aus dem Bekanntenkreis – den sogenannten Freunden bei Facebook – bereits wählen gegangen waren.

Das Ergebnis: Nur jene Gruppe, welche die Nachricht zusammen mit dem Hinweis der Facebook-Freunde erhalten hatte, wies tatsächlich eine höhere Wahlbeteiligung auf. Für die Wissenschaftler zeigt das, dass der soziale Aspekt bei Internet-Netzwerken ausschlaggebend für die Beeinflussung der Nutzer sei. Im Fachmagazin “Nature” heißt es,  weder die Aufforderung zur Wahl zu gehen noch der “Gewählt”-Button hätten die Testpersonen zum Wahlgang veranlasst. Nur die Verbindung mit dem zusätzlichen Hinweis, dass Freunde auf Facebook bereits wählen waren, führte zu einer erhöhten Wahlbeteiligung. Sicherheitshalber prüften die Forscher die Wählerverzeichnisse nach, um zu sehen, wer von den Nutzern tatsächlich wählen gegangen war. Sie errechneten, dass insgesamt 60.000 neue Wähler durch die “soziale Nachricht” dazugewonnen wurden.

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Ein Morgen in Berlin

Da hinten, hinter den Türmen am Potsdamer Platz, geht gleich der zweite Tag des 2. Symposiums zur Informationsfreiheit los. War gestern schon spannend. Mal sehen, was heute folgt.

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Musik lohnt sich wieder

MDR INFO, 06.09.12
Musiker hatten lange Zeit eine schwere Zeit. Sie bekamen für ihre Kunst nicht genug Geld. Nun gibt es einen Lichtblick – und den ausgerechnet im Internet, wo es doch sonst alles eher umsonst gibt.

15 Jahre ging es mit der Musikindustrie bergab – zumindest wirtschaftlich. Heute nun wurde bekannt, dass es offenbar eine Trendwende gibt. Nach einer Prognose der Markforschungsgesellschaft GFK ist die Talsohle erreicht. Frage an Andreas Leisdon vom Bundesverband Musikindustrie: Lohnt es sich inzwischen wieder Musik zu machen?

Also, es ist schwierig, soweit in die Zukunft zu schauen. Wir erleben im Moment erstmal zwei große Trends: Wenn man sich zum Beispiel den Bereich der Downloads anschaut, ist der im ersten Halbjahr dieses Jahres um 30 Prozent gewachsen. Auch im Bereich des Streamings haben wir sehr starke Zuwächse. Und, was erfreulich ist, ist, dass dieser Anstieg im digitalen Geschäft die Verluste, die wir im physischen Bereich zu verzeichnen haben, einigermaßen auffangen kann. 

Der physische Bereich: das sind Schallplatten und DVDs. Hier spielt die Musik nicht mehr so. Gefragt sind stattdessen die Medien, die ursprünglich als der Untergang der Musikindustrie angesehen wurden. Beim Livestreaming hört man via Internet ein durchgehendes Musikprogramm. Beim Download, das erklärt der Name, holt man sich die Titel aus dem Internet, die man auch wirklich hören möchte und beliebig oft abspielen kann. Natürlich gegen Bezahlung und ganz legal. Für den Bundesverband Musikindustrie sind aber die illegalen Anbieter im Internet noch immer ein großes Problem, obwohl es genug legale Möglichkeiten gibt.

Das legale Angebot ist da. Wir haben mehr als 70 Musikangebote im Internet, davon allein 12 Anbieter der neuen Streamingdienste, die wir als das neue digitale Geschäftsfeld bezeichnen und die allein im letzten halben Jahr 40 Prozent Zuwachs zu verzeichnen hatten, aber selbst das beste legale Angebot kann natürlich mit illegalen massenhaften Umsonstangeboten nicht konkurrieren. 

Was fehle, seien die Mittel, gegen diese Schwarzen Schafe im Internet besser vorgehen zu können. Etwas anderes Schwarzes dagegen – in einer runden Version mit Loch in der Mitte – verzückt die Musikindustrie. Andreas Leisdon:

Seit drei, vier Jahren erleben wir so ein kleines Mini-Comeback der Schallplatte. Das bewegt sich alles in einem sehr niedrigen Bereich, also, der Umsatzanteil ist immer noch unter einem Prozent, aber, ja, es gibt vermehrt wieder Menschen, die auch zur Schallplatte greifen. 

Doch die Platte, das Knacken, der Staubfänger, die Nadel und der Arm am Plattenspieler bleiben weiter eher die Ausnahme. Michael Voß berichtete. Bei uns – bei MDR INFO – geht es jetzt weniger mit Musik, dafür aber vollständig digital im Programm weiter.

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

Händlerbund: Amazon verstößt gegen Gesetzesänderung beim Online-Handel

MDR INFO, 30.08.12
Seit Anfang August gelten in Deutschland neue Gesetze, die das  Einkaufen im Internet sicherer machen sollen. So müssen alle Anbieter klar kennzeichnen, ab wann der Einkauf beginnt. Auch der entsprechende Button muss „Kaufen“ heißen. Doch jetzt gibt es Probleme: Internethändler beschweren sich darüber, dass bei der Zusammenarbeit mit dem digitalen Handelsriesen Amazon Gesetzesverstöße unvermeidlich seien.

Der Vorwurf ist klar und deutlich. Der Händlerbund, nach eigenen Angaben der größte Onlinehandelsverband Europas, wirft Amazon vor, gegen deutsche Gesetzte zu verstoßen. Und zwar geht es um den Bestellvorgang. Seit 1. August muss bei einer Internetbestellung der Bestell-Button als letztes auf der Seite stehen. Quasi wie bei einem schriftlichen Vertrag die Unterschrift. Und genau daran hapert es, meint Händlerbundvorsitzender Andreas Arlt:

Die Bestellübersichtsseite ist unübersichtlich und hinzu kommt, dass die gesetzliche Vorschrift regelt, dass nach dem Bestellbutton keine weiteren Informationen vorhanden sein dürfen. Und bei Amazon ist das genau umgekehrt. Amazon hat den Button ganz oben. Dann folgen erst die Informationen und das ist eben schlicht weg vom Gesetz nicht gewollt, weil der Verkäufer zunächst sehen soll, was sind die wesentlichen Vertragsinformationen.

Und das sei bei Amazon nicht der Fall.  

Amazon selbst wollte dazu nichts sagen und schickte lediglich ein schriftliches Statement. Darin heißt es:

Kunden erhalten auf der finalen Bestellseite auch die für den informierten Kauf notwendigen Angaben, darunter die wesentlichen Eigenschaften der Ware, der Gesamtpreis und etwaige Versandkosten.

MDR INFO hat bei Amazon bestellt und dabei festgestellt, dass die genannten Informationen tatsächlich erst unterhalb des Buttons bzw. auf gleicher Höhe auftauchen. Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen sind nur per Link erreichbar.

Mittlerweile hat es auch schon juristische Konsequenzen gegeben – jedoch nicht für Amazon, sondern für eine Händlerin, die Amazon auf ihre eigene Seiten mit eingebunden hat. Im Gegnesatz zu anderen Großanbietern hat Amazon Bausätze.  Mit denen kann der Verkauf der Produkte in jede beliebige Homepage integriert werden. Der Händler bekommt dann Prozente vom Verkauf, der wiederum völlig über Amazon und deren  Technik abgerechnet wird. Verantwortlich für die Seite ist dann aber der Anbieter – nicht Amazon. Und genau das ging jetzt schief, erzählt Andreas Arlt vom Händlerbund:

Und wir haben in der letzten Woche eine Abmahnung einer Händlerin mit Vertragsstrafe bekommen, die also 2.500 Euro zahlen muss. Und der Grund liegt ganz einfach darin, dass die Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die auch Verbraucherinformationen beinhalten, bei Amazon nicht wirksam einbezogen werden können. Und im Grunde genommen kann die Händerlin nichts dafür und muss trotzdem Vertragsstrafe zahlen.

Der Riese Amazon äußert sich auch zu diesem Vorwurf nur schriftlich – so heißt es in der E-Mail unter anderem:

Weiterhin können Händler bei Bedarf ihre AGB auf der Amazon Plattform hochladen und damit an unterschiedlichen Stellen der Website anzeigen und verlinken.

Eine Nachfrage, wie das Heraufladen der AGB, der Allgemeinen Geschäftsbedingungen,  denn möglich sei, wurde von Amazon bislang nicht beantwortet. Auch bei einem Selbstversuch ließ sich keine Lösung finden. Der Händlerbund reagierte und fordert seine 14.000 Mitgliedern nun auf,  sofort auf den Verkauf über Amazon zu verzichten.

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

Leistungsschutzrecht bedroht Freiheit des Internets

Wenn ich künftig Artikel verlinke, wie unten geschehen, muss ich dafür Geld bezahlen.*)  Zumindest dann, wenn ich als regelmäßig publizierend angesehen werde oder Werbung auf meiner Seite habe. So sieht es das Leistungsschutzrecht der Regierungskoalition vor.
Insbesondere Suchmaschinen, aber auch Blogger, werden dann wohl ihre Arbeit einstellen. Damit sind dann wichtige Teile des Internets in Deutschland bedroht. Nutznießer sind dann die Zeitungsverlage, die So mehr Geld verdienen wollen.
Doch vielleicht wird es ein Eigentor, wenn keine Suchmaschine mehr Geldauf deren Seiten verlinkt.
Leistungsschutzrecht: Ministerium weitet Google-Gesetz aus – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Netzwelt

*): Laut Süddeutsche Zeitung sind “Blogger, Verbände, Vereine, Anwaltskanzleien und sonstige ehrenamtliche, private oder gewerbliche Nutzer” von der Regelung in der neues Gesetzesvorlage offenbar ausgenommen. Damit wird das Gesetz zu einem “Lex Google” und richtet sich an die Suchmaschinen.

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

Probleme mit dem Impressum bei Internetseiten

MDR INFO, 28.08.12
Das Impressum ist in Deutschland wohl auf jeder Internetseite zu entdecken. Und trotzdem kommt es immer wieder zu Problemen. Aktuell gibt es gerade eine Abmahnwelle bei Betrieben, die angeblich gegen die Impressumspflicht auf Facebook, Google +, Twitter und Co. verstoßen.

Das Impressum muss sein – bei allen Internetseiten, die geschäftsmäßig genutzt werden. So sieht es der Gesetzgeber in Deutschland vor. Ausgenommen sind damit Privatpersonen – doch nicht alle, wie Udo Vetter, Rechtsanwalt und Betreiber des Internetangebots Law Blog betont.

Geschäftsmäßig bedeutet allerdings nicht, dass man damit Geld verdienen muss, sondern es reicht schon eine gewisse Regelmäßigkeit aus, mit Themen, die über den normalen Rahmen hinaus gehen.

Wer also regelmäßig über seine Umgebung berichtet oder zum Beispiel einen Blog zu bestimmten Themen betreibt, der ist nach der Definition auch als Privatperson geschäftsmäßig unterwegs.

Für diese Privatpersonen ist das Impressum allerdings recht simpel zu erstellen:

Name, Adresse und E-Mail, dann kommt man schon ganz gut klar. 

Bei gewerblichen Anbietern werden mehr Informationen verlangt. Dazu gehören beispielsweise Angaben über eventuell zuständige Aufsichtbehörden, Registernummern, Umsatzsteueridentifikationsnummern und so weiter. Es kann also kompliziert sein. Doch da hilft das Internet weiter. Mehre Anwaltskanzleien bieten kostenlos Bausätze für ein Impressum an. Hier sucht man sich lediglich seine Berufsgruppe aus und die Seite fragt dann die entsprechenden Angaben ab. Zum Schluss wird daraus ein ganz persönliches Impressum zusammengebaut.

Problematisch wird es allerdings mit geschäftsmäßigen Auftritten im Bereich Social Media, erklärt Rechtsanwalt Uwe Vetter:

Die Problematik bei diesem Impressum: Es wird zwar vom Gesetz verlangt, aber weder Facebook noch Twitter bieten eigentlich einem Gewerbetreibenden ausreichende Möglichkeiten, diesen gesetzlichen Anforderungen zu entsprechen, einfach aus technischen Gründen, weil die Seiten gar nicht zur Verfügung stehen.

Trotzdem hat das Landgericht Aschaffenburg entschieden, dass ein Profil bei Facebook ein gültiges Impressum tragen muss, wie jede andere Homepage. Dieses Urteil ist bereits ein Jahr alt, doch jetzt startete eine Abmahnwelle einer deutschen Anwaltskanzlei. Gezielt werden hier Unternehmer abgemahnt, deren Impressum bei Facebook fehlt oder fehlerhaft ist. Mehre Betroffene sprechen von angedrohten Vertragsstrafen in Höhe von 3-tausend Euro und zusätzlich 270 Euro für die Verfahrenskosten.

Doch Rechtsanwalt Uwe Vetter, aus einer anderen Kanzlei, beruhigt:

Es gibt auch durchaus vertretbare juristische Meinungen, die sagen, selbst wenn man auf Facebook eben nur einen Link hat oder nur ein rudimentäres Impressum, ist das allenfalls nur ein geringfügiger Wettbewerbsverstoß, der eben nicht zu Abmahnungen rechtfertigt. Es besteht also auch eine gute Chance, dass diejenigen, die zum Beispiel kleine Gewerbetreibende, wegen angeblich fehlender  Impressa auf Facebook abmahnen, vor Gericht letztendlich Abfuhr erfahren.

Die sicherste Möglichkeit ist allerdings, die bei den Social Media zu Verfügung stehenden Plätze für Informationen zur Person zu nutzen. Die sind zwar nicht für das Impressum gedacht, doch lassen sich der Hinweis „Impressum“ und die geforderten Daten einzutragen. Das zwar ist optisch nicht so schön, aber lässt Abmahnungen abblitzen.

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de