Lufthansa sieht sich von Unister getäuscht

MDR INFO, 12.12.13
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Das Leipziger Unternehmen Unister ist immer gut für neue Vorwürfe. Vor einem Jahr wurden sogar drei leitende Mitarbeiter zeitweilig in Untersuchungshaft genommen. Die Firma betreibt zahlreiche Internetportale, wie beispielsweise ab-in-den-urlaub.de, fluege.de und reisen.de. Nun sollen Lufthansaflüge unter vertragswidrigen Bedingungen aufgekauft worden sein – und das in 60.000 Fällen.

Die Vorwürfe der Generalstaatsanswaltschaft  sind heftig. 70 Mitarbeiter von Unister sollen die Kunden des Unternehmens richtiggehend abgezockt haben. Oberstaatsanwalt Wolfgang Klein:

Der Kunde hat über das Internetportal nach unseren Erkenntnissen bestimmte Flugreise gebucht. Die Mitarbeiter, die in diesem Fall auch Beschuldigte sind, haben dann einen günstigeren Preis erzielt für diesen Flug, haben diesen Preisvorteil aber nicht an den Kunden weitergegeben.

Die Mitarbeiter selbst hätten daran mitverdient, so Oberstaatsanwalt Wolfgang Klein.

Lufthansa reklamiert Schaden

Ein Lufthansa-Sprecher sagte MDR INFO, der Schaden sei auch seinem Unternehmen entstanden. Offenbar habe Unister 60.000 Flugtickets als Reiseveranstalter weitervermittelt. Diese seien billiger als der Normalverkauf, weil sie zusammen mit Hotelzimmer, Verpflegung und anderen Angebot als Paket den  Kunden weiterverkauft würden. Unister habe diese Tickets allerdings ohne Paket weitervermittelt und vom Endkunden den normalen, höheren Preis verlangt, somit einen versteckten Gewinn erzielt. Dies sei ein Vertragsverstoß.


Konstantin Korosides, Unternehmenssprecher von Unister, sagt zu den Vorwürfen nicht viel:

Wir haben natürlich auch ein großes Interesse an der Rechtsfindung der Integrierten Ermittlungseinheit Sachsen in den relevanten Fragen für Aufklärung zu sorgen und werden hier konstruktiv in dem laufenden Verfahren zusammen arbeiten, möchten uns aber näher nicht dazu äußern.

Oberstaatsanwalt: „Gewisse Geschäftspraxis“

Oberstaatsanwalt Wolfgang Klein, dessen Behörde die Ermittlungseinheit leitet,  deutet dagegen vorsichtig an, dass die Unister-Mitarbeiter offenbar nicht in Alleinregie gearbeitet haben.

Bei einem Tatvorwurf, der sich auf 60.000 Fälle bezieht, muss man wohl davon ausgehen, dass das wohl eine gewisse Geschäftspraxis war, die aber letztendlich – natürlich – immer nur die Mitarbeiter, die es umsetzen, zu verantworten haben.

Weiterer Vorwurf: Steuerhinterziehung

Diese 60.000 Fälle kann die Generalstaatsanwaltschaft für die Zeit zwischen September 2008 und September 2012 nachweisen. Das habe sich aus den Unterlagen ergeben, die vor einem Jahr in der Leipziger Zentrale von Unister beschlagnahmt worden seien. Außerdem stießen die Ermittler auf weitere Unklarheiten: So sei Umsatzsteuer in Höhe von 900.000 Euro hinterzogen worden. Außerdem habe Unister unerlaubt mit angeblichen Preissenkungengeworben.

Weitere Veröffentlichungen zu Unister

(c) Michael Voß, www.michael-voss.de

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