Microsoft: Digitale Transformation ist zu langsam in Deutschland

Digitale Transformation – dieser Begriff beschreibt, wie die fortschreitende Digitalisierung die Industrie, die Wirtschaft, die Arbeitswelt und das Leben insgesamt verändert. Allerdings nicht überall gleich schnell. Deutschland habe noch Nachholbedarf, meint Microsoft. Wo steht Deutschland wirklich? Ich habe mich für MDR aktuell beim US-Konzern, in Thüringen und in Sachsen-Anhalt umgehört.

Der Windows-Hersteller Microsoft kritisiert Deutschland. Die Digitalisierung gehe viel zu langsam voran. 71 Prozent der deutschen Mittelständler seien zwar überzeugt, dass digitale Technologien Zeit sparen und die Flexibilität erhöhen. Doch fast 80 Prozent der Firmen geben an, keinen geregelten Prozess für Bedarfsermittlung und Technologie-Entscheidungen zu haben. Das habe eine aktuelle Studie ergeben. Die Deutschland-Chefin von Microsoft, Sabine Bendiek, meint:

Es gibt eine digitale Spaltung in Deutschland. Je größer die Unternehmen, desto fokussierter und größer wirklich die IT-Ausgaben. Aber in Summe fehlt dem Mittelstand so ein bisschen dieses strategisch langfristige Herangehen, auch die Funktion, die dieses überhaupt tun kann, und manchmal aus so ein bisschen der Mut, auch entsprechend in ein so wichtiges Thema, wie digitale Transformation zu investieren.

Zustimmung erhält sie von Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee:

Diesen Eindruck teile ich. Im Vergleich zu anderen Staaten – zum Beispiel denen des Baltikums -, ist Deutschland nicht gut aufgestellt. Das gilt für sämtliche Bundesländer.

Um insbesondere die mittelgroßen Betriebe zu fördern, habe Thüringen mit Hilfe des Bundes ein Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0 gegründet. Neben theoretischen Tipps kann man hier in Modellfabriken ganz praktische Erfahrungen sammeln:

Angeschlossen sind fünf sogenannte Fabs, wo die Unternehmen direkt sehen können, wie Digitalisierung stattfindet. Sie können dann wieder mit konkreten Vorstellungen nach Hause gehen und da in ihren Unternehmen implementieren.

Gleich im Nachbarbundesland, in Sachsen-Anhalt, gibt es das Unternehmen Chiffry. Hier kennt man sich im Mittelstand aus und weiß, wie man sich als kleinere Firma durchsetzen kann. Chiffry erhielt von der Initiative Mittelstand den Innovationspreis IT. Ausgezeichnet wurde damit ein System, das den E-Mail-Verkehr, Firmen- und öffentliche Netzwerke miteinander verbindet. Das mittelständische Unternehmen aus Teutschenthal ist damit in einem Bereich tätig, in dem sonst nur die großen Unternehmen, wie etwa Microsoft, handeln. Chiffry weiß aus eigener Erfahrung, aber auch aus Erfahrung mit den Kunden, wie sich der Mittelstand digital entwickelt.

Andre Gimbut, Shiffry

Andre Gimbut, Shiffry

André Gimbut, Leiter der Entwicklungsabteilung:

Bei Mittelständlern kommt nach und nach die Erkenntnis, dass man tatsächlich zum einen mehr digital kommunizieren muss, zum anderen auch die Sicherheit mit integrieren muss. Das heißt, wir haben aktuell viel Kontakt zu Unternehmen, die bauen eine komplett neue mobile Strategie aus. Und die sagen: Ok, wir müssen unsere Smartphones vernünftig integrieren.

Bei Chiffry sorgt das für volle Auftragsbücher. Beim Mittelstand geht es damit weiter voran. Optimismus, den auch der Thüringer Wirtschaftsminister Wolfang Tiefensee verbreitet:

Wie sagt der Physiker? Geschwindigkeit ist das eine, Beschleunigung das andere. Deutschland ist bisher nicht genug schnell unterwegs, aber wir drücken auf die Tube. Wir werden schneller.