IFA: Der gläserne Konsument – Chancen und Risiken der Vernetzung (Kommentar)

In Berlin startete heute die Internationale Funkausstellung. Dabei geht es immer mehr um die Vernetzung der Welt, aber auch um die Vernetzung des eigenen Haushaltes. Chancen oder Risiken? Diesen Kommentar produzierte ich für NDR info.

Ein Schweizer Kollege sagte mir heute auf der Funkausstellung: „Das ist hier nicht mehr ‚Das Internet der Dinge‘, das ist ‚Das Internet der Spanner‘“. Überall seien Kameras. Das Leben werde überwacht. Jeder könnte jederzeit gesehen werden. Damit hat der Kollege Recht. Und wenn es keine Kamera ist, dann sind es Sensoren.

Bundeswirtschaftsminister Gabriel dagegen rief bei seinem Rundgang über die Funkausstellung dazu auf, eine angstfreie Diskussion über Chancen und Risiken der Digitalisierung zu führen. Damit hat er auch Recht.

Beide haben Recht. Auch wenn es nicht so klingt, als würde beides zusammenpassen – es die Welt, mit der wir leben und wahrscheinlich auch leben müssen.

Ich genieße es, wenn ich zuhause via Internet den Musikstream meine Anbieters höre. Genau die Musik, die zu meiner Stimmung passt. Der Anbieter weiß exzellent, was mir gefällt, denn er sammelt meine Daumen-hoch-oder-Daumen-runter-Kommentare. Ich habe ihm die Daten freiwillig gegeben – ist doch nicht schlimm. Ich profitiere davon. Aber diese Daten….. wer bekommt sie noch? Wer weiß damit, wann ich wach bin? Wer weiß, wann ich zuhause bin? Oder, weil ich per Mobiltelefon Musik höre – wer weiß dann, wo ich mich aufhalte? Chance und Risiko. Ich nehme das Risiko weiter auf mich, um die Chancen zu nutzen.
Doch inzwischen gibt es Systeme, die meine Wohnung oder mein Haus überwachen. Ist der Herd ausgeschaltet? Wann soll der Kaffee gekocht werden? Auch nicht schlimm, denn die Daten bleiben doch zuhause. Bleiben sie? Wie kommen sie auf das Handy? Über das Internet. Und das wiederum kann eine Verbindung von Berlin über Los Angeles nach Hamburg sein. Theoretisch kann also irgendwie jeder auf meine Daten zurückgreifen.

Eine Gefahr? Ja. Trotzdem sollte ich mir überlegen, ob nicht durch Lampen, die in meiner Wohnung leuchten, durch Spuren im Schnee vor meinem Haus – zugegeben: zur Zeit etwas seltener – oder einfach durch Klatsch und Tratsch der Nachbarn nicht vieles auch ohne Vernetzung bekannt sein könnte. Allerdings dann auch ohne Gewinn und Chancen für mich.
Ohne Vernetzung würde heute die U-Bahn nicht fahren, die Autos in der Großstadt im Dauerstau stehen. Ja, auch das Radio würde nicht mehr so aktuell reagieren können, oder das Fernsehen. Selbst der Supermarkt sehe anders aus. Facebook, WhatsApp oder mein Smartphone gäbe es gar nicht erst.

Ich denke, wir müssen lernen, die Chancen der Digitalisierung positiv zu nutzen. Und wir müssen lernen, dass unsere Daten offener sein werden, als bislang schon. Oder wir verzichten auf die Veränderungen der letzten 15 Jahre.