IFA 2018: Die Sicherheit ist nur so stark, wie das schwächste vernetzte Gerät

Samsung auf der IFA 2018
Samsung auf der IFA 2018
Vernetzung war das Thema auf der Funkausstellung in Berlin. Smart Home, Smart Auto, Smart City. Doch unterschiedliche Standards bei den Herstellern führen auch zu unterschiedlichen Standards bei der Gerätesicherheit. Was man damit macht und welche Lösungen es gibt, das schilderte ich für den ARD-Hörfunk.

Marco Preuss sucht täglich Sicherheitslücken. Er ist Leiter des europäischen Forschungs- und Analyse-Teams bei Kaspersky Lab. Für ihn ist die stetige Vernetzung zuhause, aber auch auf der Straße und in Firmen ein großes Sicherheitsproblem.

Eines der grundlegenden Probleme ist es, dass wir überhaupt keine Standards, überhaupt keinen Grundschutz in diesem Bereich haben. Nach wie vor nicht. Das heißt, es gibt nichts, wo ich definiert sagen kann, ok so und so kann ich zum Beispiel alle meine Geräte updaten oder sicherstellen, dass keine Schwachstellen vorhanden sind.Marco Preuss, Kaspersky Lab

Die Hersteller sehen das in ihrem jeweiligen Umfeld ganz anders. Hendrik Kluge ist beispielsweise bei Samsung für den SmartHome-Bereich zuständig. Sein wichtigstes Argument: Man habe mit Sicherheitslösungen gute Erfahrungen, weil man für den Geschäftskundenbereich und für prominente Kunden schon spezielle Sicherheitslösungen erreicht habe.

Der Firma Samsung ist Sicherheit natürlich immer extrem wichtig. Wir haben ja auch im Android-Bereich entsprechend Knox gelauncht – unsere Businesslösung, die entsprechend auch Einsatz in politischen Kreisen findet und entsprechend extrem hohe Sicherheitsstandards bietet. Darauf basierend haben wir Smart Things aufgebaut.Hendrik Kluge, Samsung

Smart Things ist bei Samsung der Name für die Vernetzung von Haushaltsgeräten unterschiedlicher Anbieter.

Gestern, als ich entsprechend auf Smart Things nachgeguckt hatte, hatten wir etwas mehr als 340 Geräte von Drittherstellern.Hendrik Kluge, Samsung

Für den Kunden ist das zunächst gut, weil er damit auch Geräte von der Konkurrenz in das eigene Netz einbinden kann, die bereits vorhanden sind oder die der Kunde einfach besser findet. Doch auf die Sicherheitsstandards dieser Geräte hat Samsung keinen Einfluss.

Tim Friedrichs, vom Computersicherheitsunternehmen Bitdefender warnt vor so einer Situation:

Dazu muss man wissen, dass eben ein Heimnetzwerk so sicher ist, wie das schwächste Glied. Und oftmals sind es gerade die smarten Geräte, bei denen nicht wirklich auf Sicherheit geachtet wird – schon von Herstellerseite nicht.Tim Friedrichs, Bitdefender

Deshalb hat Bitdefender ein Gerät erfunden, welches zwischen allen Teilen des Heimnetzwerkes sitzt und diese auf mögliche Sicherheitslücken untersucht. Notfalls könne sogar die Verbindung in das Internet gekappt werden. Die sogenannte Bitdefender-Box wird direkt an den Router angeschlossen. Das Gerät hat damit eine Schleusenfunktion.

Es erkennt sämtliche Geräte. Guckt, ob es dort bereits Schwachstellen gibt, ob zum Beispiel schwache Passwörter verwendet werden oder ob nicht die aktuelle Firmware verwendet wird.Tim Friedrichs, Bitdefender

Eine praktische Sache, die ähnlich auch von Conrad Electronic angeboten wird. Doch für Marco Preuss von Kaspersky Lab reicht das alles noch nicht. Er drängt weiter auf mehr Standards bei der Vernetzung von Geräten.

Ich denke tatsächlich, da wir hier von einem globalen Markt reden, dass man über Regulierung gehen muss.Marco Preuss, Kaspersky Lab

Also über Gesetze, die Standards vorschreiben. Eine ungewöhnliche Forderung für Netzexperten, die zeigt, wie ernst das Problem wirklich ist.

Author: Michael Voß